Impulskontrolle ist für viele Hunde ein Thema – aber für jagdlich motivierte Hunde und insbesondere den Vorstehhund ist sie eine ganz eigene Disziplin.
Denn eines ist klar: Es wird längst nicht alles vorgestanden, was wir Menschen uns wünschen würden.
Natürlich sollte man als gut erzogener Vorstehhund einen wehenden Grashalm selbstverständlich mit theatralischem Verharren anzeigen. Und der Maulwurfshügel am Horizont? Lebensgefährlich, keine Frage.
Aber wer glaubt, dass der Vorstehhund automatisch bei jedem Bewegungsreiz einfriert, der hat noch keinen echten Vorstehhund im Alltag erlebt.
Krähen – die heimliche Meisterklasse der Impulskontrolle
Unsere aktuelle Lieblingsbeschäftigung im Revier (ungewollt, aber hoch lehrreich):
Krähen beobachten.
Während mein Drahthaar mit stoischer Ernsthaftigkeit einfriert, dabei aber das Gesicht eines 60-jährigen Busfahrers auflegt, der gerade in seinem Feierabend gestört wird, sieht die junge Weimaraner Hündin die Sache… etwas anders.
Sie sieht Krähen – und tippelt beherzt los.
Mit dem Enthusiasmus eines Kindes, das gerade beschlossen hat, Astronaut zu werden.
Unterwegs fällt ihr dann ein, dass man ja als Vorstehhund eigentlich vorstehen müsste, um sich anzuschleichen. Also:
- Bremse rein
- Körperspannung
- Vorstehen
Nur hält das nicht lange.
Der Jungspund hat die Geduld eines Teenagers vor dem WLAN-Router.
Also weiter vorwärts – bis ich mit einem beherzten Stopppfiff eingreife, denn der nächste Schritt wäre sicher der Kontrollverlust mit anschließendem Losspurten.
Der Drahthaar daneben kommentiert unser junges Chaos-Team mit einem Blick, der sagt:
„Amateurstunde. Würde ich besser machen. Wenn ich nicht wegen der OP an der Leine kleben würde.“
Krähen – schlauer als jedes Anti-Jagd-Training
Die Krähen unterdessen haben die Zeit ihres Lebens.
Denn wenn ich gezielt auf Krähenjagd gehe, kommt natürlich keine einzige.
Privat unterwegs dagegen fallen sie in Heerscharen über mich her, nur um uns zu veräppeln.
Doof sind sie eben nicht.
Warum solche Situationen Gold wert für dein Training sind
Solche Begegnungen nutze ich wahnsinnig gerne, um Absprachen und Signale zu überprüfen, allen voran das Stoppsignal.
Beim Vorstehhund hat man einen immensen Vorteil:
👉 Der Hund reguliert sich beim Vorstehen selbst.
Das reine Anzeigen eines Reizes kann also schon belohnt werden.
Der Hund bringt selbst Ruhe rein – das ist Training auf Champions-League-Niveau.
Doch was ist mit allen anderen jagdlich ambitionierten Hunden?
Auch hier kannst du Reize wie Krähen hervorragend nutzen:
Trainingstipps für jagdlich motivierte Hunde in Wildsituationen
1. Kontakthalten nutzen
Gehe gemeinsam an den Vögeln vorbei – der Fokus liegt darauf, dass dein Hund immer wieder zu dir schaut.
Nicht du lenkst ihn ab – er bindet dich ein.
2. Ruheübung etablieren (hoch wirksam!)
Wenn der Hund deutliche Jagdspannung zeigt, kann eine kontrollierte Entspannungsübung genau das Richtige sein.
Der Hund bleibt dabei sitzen oder stehen, lernt herunterzufahren und wahrzunehmen, dass nicht jeder Reiz Handlung nach sich zieht.
(Der angekündigte Erklärungspost dazu folgt – perfekt, um deinen Blog thematisch zu verknüpfen.)
3. Klassische Bleib-Übung mit Ziel „Emotion runter“
Nicht für Gehorsam.
Nicht für Optik.
Sondern für innere Ruhe.
Diese Bleib-Übungen sind die Grundlage dafür, dass Hunde später auch bei stärkerem Wildkontakt stabiler bleiben.
Fazit: Krähen sind besser als jeder Dummy
Solche Alltagssituationen sind keine „Störung“ des Spaziergangs – sie sind wertvoller Trainingsstoff:
- Sie zeigen dir, wie stabil eure Absprachen sind.
- Sie verraten, wie viel Impulskontrolle ohne Kommandos möglich ist.
- Sie helfen dir, deinen Hund besser zu lesen.
- Und sie machen sichtbar, wie unterschiedlich Hunde Reize verarbeiten.
Es gibt kaum etwas Schöneres, als zu beobachten, wie sich ein Hund in einer schwierigen Situation für Ruhe, Orientierung und Kooperation entscheidet – egal ob durch Vorstehen, Stoppen oder Blickkontakt.


