Im Zusammenleben mit jagdlich motivierten Hunden stößt man mit klassischen Erziehungsansätzen häufig schneller an Grenzen, als einem lieb ist. Viele Halter berichten, dass gängige Methoden zwar bei Alltagsrassen funktionieren, beim Vorstehhund, Brackenmix oder passionierten Stöberhund jedoch verhältnismäßig wenig bewirken.
Das liegt nicht etwa daran, dass Jagdhunde „schwieriger“ wären – sondern daran, dass sie anders ansprechbar sind.
Warum klassische Erziehung bei Jagdhunden oft zu kurz greift
Hunde mit ausgeprägtem Jagdinteresse werden nicht nur optisch (Bewegungsreize) oder akustisch (Knacken, Rascheln) aktiviert. Sie filtern ihre Umwelt vor allem über den olfaktorischen Auslösefaktor: Geruch. Und der ist für uns Menschen kaum wahrnehmbar.
Wenn wir verhindern wollen, dass der Hund auf solche Reize anspringt, versuchen wir meist, mit viel Stimme und ständigen Signalen seine Aufmerksamkeit zu uns zurückzuholen.
Das Problem:
Der Impuls geht vom Menschen aus. Wir „ziehen“ den Hund zu uns – während die Umwelt gleichzeitig „zieht“. Kein gutes Verhältnis.
Doch was, wenn der Hund freiwillig den Kontakt sucht?
Der Paradigmenwechsel: Ein Hund, der selbst Blickkontakt anbietet
Viele Halter versuchen, den Fokus des Hundes weg von der Umwelt – hin zum Menschen zu lenken. Doch nachhaltiger wird es, wenn die Richtung sich umkehrt:
Wenn der Hund von sich aus nachfragt.
Stell dir vor:
- Dein Hund trabt neben dir und wirft dir immer wieder kurze, weiche Blicke zu.
- Er fragt damit: „Alles okay? Gibt’s eine Info? Eine Aufgabe?“
- Oder er setzt den Blick gezielt ein, um eine Freigabe zu erbitten – zum Beispiel für den Freilauf.
Das ist kein „Trick“. Das ist Kommunikation.
Je mehr du deinem Hund die Möglichkeit gibst, mit Blickkontakt etwas zu erreichen, desto häufiger wird er diese Kommunikationsform wählen.
Und genau hier beginnt echte Kooperation.
Warum Blickkontakt bei Jagdhunden so mächtig ist
Blickkontakt ist bei jagdlich motivierten Hunden:
1. Orientierungshilfe
Der Hund lernt, dass Situationen nicht „einfach passieren“, sondern mit dir abgesprochen werden können.
2. Stressregulation
Blickkontakt wirkt wie ein kleiner Reset – er hilft deinem Hund, Impulse einzuordnen, statt ihnen hinterherzufallen.
3. Sicherheitsanker
Gerade im Freilauf oder an Wildwechseln braucht ein Hund eine Instanz, an der er sich innerlich ausrichten kann.
4. Beziehungsarbeit statt Kommandos
Kontakthalten ist kein Dressurakt. Es ist Beziehung.
Der Hund tut es nicht, weil er muss, sondern weil es sich lohnt.
Ritualisiertes Kontakthalten – der Schlüssel zur Kontrolle im Freilauf
Wenn du Blickkontakt als festen Bestandteil eurer Zusammenarbeit etablierst, erhältst du:
- vorhersehbare Abläufe
- kontrollierbare Situationen
- einen Hund, der aktiv mit dir kooperiert
Du gewinnst die Kontrolle fast nebenbei zurück – ohne Druck, ohne Dauerrufen, ohne hektische Ablenkungsversuche.
Und: Dein Hund fühlt sich verstanden.
Sein Blick erzielt ein Ergebnis. Seine Kommunikation wird beantwortet.
Das ist für sensible, jagdlich motivierte Hunde Gold wert.
Fazit: Kontakthalten ist kein “Nice-to-have” – es ist essenziell
Blickkontakt und Kontakthalten gehören zu den wertvollsten Werkzeugen im Alltag und besonders im Anti-Jagd-Training.
Nicht, weil du dadurch „mehr Kontrolle“ bekommst, sondern weil dein Hund eine echte Stimme in eurer Zusammenarbeit erhält.
Das stärkt eure Bindung, verbessert die Impulskontrolle und schafft einen verlässlichen Kommunikationskanal – selbst in hochdynamischen Situationen.


