Nasenarbeit ist der Begriff, unter dem die halbe Hundewelt inzwischen alles zusammenfasst, was mit Schnüffeln zu tun hat – vom Leckerli im Wohnzimmerteppich bis zur Schweißfährte im Dickicht. Das ist praktisch, aber es verwischt die Unterschiede. Und die Unterschiede sind es, auf die es beim Jagdhund ankommt.
- Nasenarbeit heißt: der Hund löst eine Aufgabe über die Nase. Wie er das tut, unterscheidet sich je nach Disziplin erheblich.
- Für Jagdhunde sind vier Formen relevant: Freiverlorensuche, Schleppe, Fährte und Stöbern.
- Nasenarbeit ist keine Beschäftigung zum Auspowern. Sie beruhigt, weil sie den Kopf fordert.
- Zwanzig Minuten reichen. Die meisten Hunde arbeiten länger, als sie konzentriert arbeiten können.
- Der Einstieg läuft über den Dummy: Interesse wecken, kleine Apporte, dann die Dummyschleppe – alternativ über Personenfährten.
- Der häufigste Fehler ist zu viel Hilfe. Ein Hund, dem du die Lösung zeigst, lernt, auf dich zu warten.
Inhalt dieses Artikels
Was Nasenarbeit ist
Nasenarbeit ist jede Aufgabe, bei der dein Hund die Lösung über den Geruchssinn findet und nicht über die Augen. Das klingt banal, hat aber eine Konsequenz, die im Training oft untergeht: Sobald dein Hund sehen kann, wo etwas liegt, arbeitet er nicht mit der Nase. Er läuft hin. Deshalb steht am Anfang jeder Nasenarbeit die Frage, wie du das Sehen ausschließt.
Der zweite Punkt ist der Unterschied zwischen suchen und folgen. Beim Suchen weiß dein Hund ungefähr, wo etwas ist, und arbeitet eine Fläche ab. Beim Folgen nimmt er eine Spur auf und bleibt darauf. Das sind zwei verschiedene Arbeitsweisen, verschiedene Kopfhaltungen, verschiedene Geschwindigkeiten – und du solltest sie im Training nicht vermischen.
Die vier Formen, die beim Jagdhund zählen
| Form | Was der Hund tut | Wofür sie steht |
|---|---|---|
| Freiverlorensuche | Arbeitet eine Fläche ab, bis er den Gegenstand findet | Apport von verlorenem Wild, Grundlage für fast alles |
| Schleppe | Folgt einer gezogenen Spur bis zum Ende | Kunstfährte im Training, Vorstufe zur Fährtenarbeit |
| Fährte | Folgt der natürlichen Spur eines Tieres | Nachsuche auf krankes Wild, Schweißarbeit |
| Stöbern | Sucht selbständig in Deckung, zeigt an oder drückt heraus | Bewegungsjagd, Arbeit im Dickicht |
Jede dieser Formen hat einen eigenen Aufbau. Ich habe sie einzeln beschrieben: Apportieren aufbauen, Fährtenarbeit und Schleppen, Schweißarbeit und Stöbern.
Warum Nasenarbeit beruhigt
Der Satz „Nasenarbeit lastet aus“ stimmt, aber der Mechanismus dahinter wird selten erklärt. Beim Suchen arbeitet dein Hund langsam, mit gesenktem Kopf, in kontrollierter Bewegung. Er muss Gerüche unterscheiden, Entscheidungen treffen und sie korrigieren. Das ist Konzentrationsarbeit, und Konzentrationsarbeit macht müde, ohne aufzudrehen.
Das Gegenteil davon ist das Ballspiel. Da läuft dieselbe Erregungskurve wie bei einer Hetze: sehen, fixieren, sprinten, packen. Der Hund ist danach körperlich erschöpft und im Kopf hochgefahren – und er hat eine halbe Stunde lang genau das trainiert, was du am Waldrand nicht willst. Mehr dazu in Jagdhund auslasten ohne Ballspiele.
Erschöpfung ist übrigens keine Regulation. Ein Hund, der nach der Suche einfach umfällt, hat zu lange gearbeitet. Du willst den Punkt davor.
So fängst du an: die Reihenfolge
Nasenarbeit fängt nicht mit der Nase an. Sie fängt mit dem Gegenstand an, den dein Hund haben will.
Erstens: Interesse am Dummy wecken. Bevor irgendetwas gesucht wird, muss dein Hund den Dummy wollen. Das machst du über Bewegung, über kurze Sequenzen und darüber, dass du ihn wegnimmst, bevor dein Hund genug hat. Was ihm egal ist, sucht er auch nicht – jedenfalls nicht ordentlich. Welcher Dummy sich dafür eignet, steht in meinem Apportel-Guide.
Zweitens: erste kleine Apporte. Kurze Distanz, dein Hund sieht, wohin der Dummy fliegt, holt ihn und bringt ihn zu dir. Hier entsteht die Selbstverständlichkeit, dass das Gefundene zu dir gehört. Das baue ich früh auf und freudig, ohne Druck. Der vollständige Aufbau steht in Apportieren richtig aufbauen.
Drittens: die Dummyschleppe. Jetzt kommt die Nase dazu. Du ziehst den Dummy über eine kurze Strecke, dein Hund arbeitet die Spur aus und bringt am Ende, was da liegt. Aus dieser einen Übung wird später alles, was mit Fährte und Schleppe zu tun hat – nachzulesen in Fährtenarbeit, Schleppen, Spurarbeit.
Alternativ: Personenfährte oder Mantrail. Wer keinen Zugang zu passenden Flächen hat oder etwas Zweites dazunehmen will, kann genauso gut mit der Spur eines Menschen arbeiten. Das Prinzip ist dasselbe: eine Spur aufnehmen, dranbleiben, am Ende ankommen. Für viele Hunde ist es der leichtere Einstieg, weil der Geruch dicht und durchgehend ist.
So setzt du Nasenarbeit richtig auf
Bevor es um einzelne Übungen geht, kommen fünf Bedingungen. Wer die einhält, kann mit fast jeder Aufgabe arbeiten. Wer sie missachtet, macht mit der besten Übung nichts Gutes.
Sicht ausschließen. Solange dein Hund sehen kann, wo etwas liegt, benutzt er die Augen. Lass ihn abgewandt sitzen oder warten, während du auslegst.
Den Wind mitdenken. Am Anfang arbeitest du so, dass dein Hund den Geruch bekommt. Gegen den Wind zu suchen ist eine eigene Schwierigkeit und kommt später.
Die Fläche begrenzen. Ein Hund, der ins Unendliche suchen darf, sucht irgendwann etwas anderes. Steck den Bereich ab, in dem gearbeitet wird, und bleib dabei.
Kein Futter auf der Strecke. Futter, das unterwegs liegt, bringt deinem Hund bei, unterwegs zu fressen – und verlegt die Belohnung auf den Weg statt ans Ende. Er soll am Ende ankommen, mit dem, was da liegt. Das ist der Unterschied zwischen Suchen und Absammeln.
Still bleiben und sauber beenden. Während dein Hund arbeitet, sagst du nichts. Und die Suche ist zu Ende, wenn du sie beendest, nicht wenn ihm die Lust ausgeht.
Die fünf häufigsten Fehler
Zu viel Hilfe. Der mit Abstand häufigste. Dein Hund sucht, findet nicht sofort, du zeigst hin. Beim dritten Mal sucht er nicht mehr richtig, sondern schaut zu dir. Steh still und lass ihn arbeiten, auch wenn es zwei Minuten dauert.
Zu lange. Ein junger Hund ist nach fünf bis zehn Minuten Suche durch. Wer auf zwanzig geht, bekommt die letzten zehn Minuten schlampige Arbeit – und die bleibt hängen.
Zu schwer zu früh. Wind, hohes Gras, alte Spuren, fremdes Gelände: Jede dieser Bedingungen ist eine eigene Schwierigkeit. Erhöhe immer nur eine.
Aufgeregtes Anfeuern. „Such! Such! Wo isses? Such!“ bringt deinen Hund hoch und aus der Nase. Ein ruhiges Signal am Anfang reicht.
Kein sauberes Ende. Die Suche ist zu Ende, wenn du sie beendest, nicht wenn dein Hund keine Lust mehr hat. Nimm den Fund an, lob kurz, und dann ist Pause.
Wie viel und wie oft
Für einen erwachsenen Jagdhund sind zwanzig bis dreißig Minuten Nasenarbeit am Tag ein gutes Maß – aufgeteilt in zwei bis drei kurze Einheiten. Bei einem Welpen sind es fünf Minuten, und selbst die kannst du in zwei Portionen legen.
Wichtiger als die Dauer ist die Regelmäßigkeit. Ein Hund, der täglich zehn Minuten konzentriert arbeitet, ist ausgeglichener als einer, der am Sonntag eine Stunde bekommt und unter der Woche nichts.
Leg die Nasenarbeit an den Anfang des Spaziergangs, nicht ans Ende. Ein Hund, der schon zwei Kilometer gerannt ist, arbeitet schlechter – und genau die schlampige Arbeit gewöhnt er sich an.
Fragen & Antworten
Was ist Nasenarbeit beim Hund?
Jede Aufgabe, bei der der Hund die Lösung über den Geruchssinn findet statt über die Augen. Beim Jagdhund sind das Freiverlorensuche, Schleppe, Fährte und Stöbern. Entscheidend ist, dass der Hund nicht sehen kann, wo das Gesuchte liegt.
Ab welchem Alter kann ich mit Nasenarbeit anfangen?
Sobald der Welpe da ist. Angefangen wird mit dem Gegenstand, mit dem später gearbeitet wird, auf kurzer Distanz und in bekannter Umgebung. Halte es kurz – zwei bis fünf Minuten – und beende es, solange er noch interessiert ist.
Ersetzt Nasenarbeit den Spaziergang?
Nein, aber sie ersetzt einen großen Teil der Strecke. Ein Hund, der täglich konzentriert mit der Nase arbeitet, braucht deutlich weniger Kilometer, um ausgeglichen zu sein. Bewegung bleibt trotzdem wichtig, vor allem für Gelenke und Kondition.
Macht Nasenarbeit den Jagdtrieb schlimmer?
Das ist die häufigste Sorge und sie geht am Kern vorbei. Nasenarbeit unter deiner Regie gibt dem Suchverhalten eine Richtung und einen Rahmen. Was den Jagdtrieb tatsächlich verstärkt, ist selbständiges Suchen ohne dich – der Hund, der jeden Spaziergang allein die Hecke abarbeitet.
Welches Material brauche ich für Nasenarbeit?
Einen Gegenstand, den dein Hund gern aufnimmt – ein Apportel, ein Dummy, ein Fellstück. Mehr nicht. Futter gehört nicht in die Suche, sondern allenfalls ans Ende, und selbst da ist der Fund selbst meistens die bessere Belohnung. Welches, steht in meinem Apportel-Guide.
Mein Hund gibt schnell auf. Was mache ich falsch?
Meist ist die Aufgabe zu schwer oder du hast zu oft geholfen. Geh zurück auf ein Niveau, auf dem er sicher findet, und lass ihn dort mehrmals erfolgreich arbeiten. Aufgeben ist bei Jagdhunden fast immer erlernt.
Wie weit dein Hund dabei gehen darf, ist eine eigene Baustelle: Radiustraining beim Jagdhund.
Wer damit lieber nicht allein anfängt: In meiner Jagdhundeschule im Berchtesgadener Land wird genau das in der Trainingswoche täglich geübt.
Jetzt tiefer einsteigen
Nasenarbeit ist ein Baustein. Wo sie im Gesamtaufbau steht und was vorher und nachher kommt, findest du in meinem Leitfaden zur Jagdhundeausbildung.






