Welches Dummy für deinen Hund? Der ehrliche Apportel-Guide

Weimaraner trägt freudig ein Apportel

Wer ins Apportieren einsteigt, steht früher oder später vor der Frage: Welches Dummy soll es denn nun sein? Das Angebot auf dem Markt ist riesig, und oft sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Ich sage dir gleich vorweg: Ich habe inzwischen gut und gerne 100 Apportel in wirklich JEDER Machart – und es macht süchtig, immer wieder neue Modelle auszusuchen. So viele brauchst du natürlich nicht. Aber welches Dummy zu deinem Hund passt, welche du dir sparen kannst und warum die Reihenfolge zum Wild hin entscheidend ist – das klären wir jetzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Drei Fehlkäufe kannst du dir sparen: Futterdummys, Plastikapportel (außer fürs Wasser) und Felldummys in Nichtjägerhand.
  • Es gilt NICHT „großer Hund – großes Dummy“: Unterschiedliche Größen, Gewichte und Materialien machen deinen Hund besser.
  • Dummyarbeit ist nicht gleich Dummyarbeit – neben dem klassischen Retriever-Stil gibt es die jagdnahe Variante: bogenrein, quersuchend, selbstständig mit dir arbeitend.
  • Für jagdlich geführte Hunde führt der Weg vom Dummy über Fellapportel und Trockenwild erst ganz am Ende zum warmen Wild.
Inhalt dieses Artikels
  1. Drei Dummys, die du dir sparen kannst
  2. Größe, Gewicht, Material: Welches Dummy passt zu deinem Hund?
  3. Dummyarbeit ist Dummyarbeit … oder?
  4. Vom Dummy zum Wild: die richtige Reihenfolge
  5. Dummyschleppen: der unterschätzte Einstieg

Drei Dummys, die du dir sparen kannst

Bevor wir darüber reden, was ins Körbchen wandert, drei Tipps, wie das Dummy NICHT sein sollte:

Kein Futterdummy. Damit lernt dein Hund, Futtergeruch zu suchen – Stichwort Giftköderproblematik – und belohnt sich im Zweifel gleich selbst, ganz ohne dich. Ich höre den Aufschrei bis hierher, denn der Futterbeutel wird ja gern als Einstieg empfohlen. Ich bleibe dabei: Er ist der einzige Apportel-Typ, der in meiner 100-Stück-Sammlung fehlt – und das aus Überzeugung.

Keine Plastikapportel – mit einer Ausnahme: Wasserarbeit. An Plastik haftet schlicht wenig Geruch, und genau den soll dein Hund ja gut wahrnehmen können.

Keine Felldummys oder Wildteile bei Nichtjägern. Warum solltest du das Interesse an Wild fördern, wenn dein Hund nie jagdlich geführt wird? Was das für dich als Nichtjäger sonst noch bedeutet, liest du im Artikel Jagdhund ohne Jagdschein.

Größe, Gewicht, Material: Welches Dummy passt zu deinem Hund?

Das geeignete Apportel sollte zum Kenntnisstand deines Hundes passen – ein 4-Kilo-Apportel für einen zehn Wochen alten Welpen macht wenig Sinn. Später gilt jedoch NICHT das Motto: großer Hund – großes Dummy, kleiner Hund – kleines Dummy. Ganz im Gegenteil! Ich nutze für JEDEN Hund sehr unterschiedliche Größen, Formen und Materialien.

Je kleiner das Dummy, desto schwerer ist es zu orten – über Nase wie über Auge. Allein darüber kannst du die Schwierigkeit steigern, etwa wenn dein Hund bei der bogenreinen Suche die Kanten einer Fläche absucht und dort viele 80-Gramm-Apportel liegen. Große, schwere Apportel sind die andere Herausforderung – und es macht große Freude, sukzessive die Gewichtsklasse zu steigern. Man kann sich nur wundern, welche Bärenkräfte in so manchem Hund schlummern.

Beim Material darfst du gern abwechslungsreich sein, denn auch das fördert die Nasenleistung: Jedes Material ergibt gemischt mit deinem Eigengeruch und dem Geruch des Hundes einen unverwechselbaren Geruchsstoff, den es zu finden gilt. Und natürlich entwickelt jeder Hund seine Vorlieben – der Terrierist bevorzugt konsequent rosa Dummys, und die Drahtbürste trägt ohnehin alles daher, was nicht niet- und nagelfest ist.

„Es gilt NICHT das Motto: großer Hund – großes Dummy. Ganz im Gegenteil!“

Dummyarbeit ist Dummyarbeit … oder?

Wenn du an Dummyarbeit denkst, hast du wahrscheinlich sofort ein Bild im Kopf: Markierungen, Linienarbeit, Einweisen mit klaren Signalen, strukturiertes Arbeiten nach festem Schema. Das ist das klassische Retriever-Training – und ja, das funktioniert. Aber es gibt noch eine andere Art, mit Dummys zu arbeiten, die sich stärker an natürlichen Jagdabläufen orientiert: bogenrein, quersuchend, selbstständig mit dir arbeitend.

Dein Hund muss nämlich nicht nach festen Mustern arbeiten, um kontrolliert und führig zu sein. Er kann lernen, frei zu suchen, Wildspuren auszublenden und trotzdem zielgerichtet zu apportieren – egal, ob du jagst oder nicht. Jagdhunde müssen Gelände und Wind selbstständig nutzen; das Arbeiten nach Linien und Markierungen ist eine gute Basis, aber eben nicht alles. Ein sauber quersuchender Hund, der mit dir in Kontakt bleibt, bringt dich in der Praxis weiter als einer, der nur auf festgelegte Signale wartet. Am Ende zählt nicht das Label – Retriever, Jagdhund oder Nichtjagdhund –, sondern wie sinnvoll das Training aufgebaut ist. Wie der saubere Aufbau aussieht, steht im großen Artikel Apportieren beim Jagdhund.

Deutsch-Kurzhaar sucht mit tiefer Nase im Schnee
Nasenarbeit statt Bällchenwerfen: Der Geruchsstoff Dummy macht aus dem Suchen echte Kopfarbeit.

Vom Dummy zum Wild: die richtige Reihenfolge

In der Jagdhundeausbildung ist die Frühprägung mit Wild Usus – auch ich bringe bereits Welpen wohldosiert in Kontakt mit den später relevanten Wildarten. Beim Aufbau des Apportierens und bei der Fährtenarbeit steige ich dann jedoch zunächst auf Dummys um. Erst später kommen Fellapportel, Trockenwild, kaltes Wild und ganz zuletzt die Arbeit am warmen, frisch erlegten Wild dazu.

Dafür gibt es handfeste Gründe: Erstens verschleißt du beim Aufbau nicht unnötig Wildteile. Zweitens testet so mancher Jungspund schon mit normalen Dummys gern die Bringtreuepflicht aus – ich möchte nicht, dass er sich ausgerechnet an Wild „verlustiert“. Die Verlockung ist dort um einiges höher: Es schmeckt nach Fell, Federn und unter Umständen sogar Schweiß. Unter schlechten Umständen endet das im Anschneiden oder Sichern von Wild. Drittens steigert das Dummy den Naseneinsatz: Wild zu finden ist für die Instinkte unserer Jagdhunde meist keine Kunst – eine 24-Stunden-Dummyfährte auszuarbeiten dagegen schon. Der Dummygeruch wird erst durch dich und die gemeinsame Arbeit relevant, und genau das macht ihn so wertvoll.

MerkeDas Dummy ist das perfekte Trainingsmittel, um Strukturen, Ruhe und sauberes Arbeiten zu etablieren – ohne dass gleich Wild ins Spiel kommt. Getroffene Absprachen musst du dann nur noch auf Wild übertragen. Oder, im Fall des nicht jagdlich geführten Hundes: eben nicht.

Dummyschleppen: der unterschätzte Einstieg

Warum sucht ein jagdlich geführter Hund überhaupt Dummys? Weil Dummys die Suche nicht über den Jagdinstinkt auslösen. Genau deshalb arbeite ich mit jungen Hunden gern Dummyschleppen – gerne auch über Teer. Die Arbeit über Teer ist geruchlich anspruchsvoll, weil keine Bodenverletzung entsteht. Aber genau das macht sie ideal für den Einstieg: keine Wildspuren, keine Verleitungen, kein Überreizen.

Dummyschleppen lassen sich in Aufbau, Gelände und Reizlage steuern – Wild nicht. Gerade junge Hunde haben noch wenig Kontrolle über ihren Instinkt; wer da gleich mit Wild arbeitet, verliert oft mehr, als er gewinnt. Wenn dein Hund Dummyschleppen sicher arbeitet, fällt ihm Wild später umso leichter. Mehr zum Aufbau von Schleppen und Fährten findest du im Artikel Fährtenarbeit & Schleppen. Und auch in der jagdfreien Zeit sind Apportel Gold wert, um mit dem eigenen Hund im Training zu bleiben.

Fragen & Antworten

Welches Dummy eignet sich für Anfänger und Welpen?

Ein leichtes Stoffdummy, das zum Kenntnisstand deines Hundes passt – für den Welpen also klein und weich statt 4-Kilo-Brocken. Von dort aus steigerst du Größe, Gewicht und Materialvielfalt Schritt für Schritt.

Warum kein Futterdummy?

Weil dein Hund damit lernt, Futtergeruch zu suchen – ein Problem, wenn du an Giftköder denkst – und sich im Zweifel selbst belohnt, ohne dich einzubeziehen. Die Suche soll aber über die gemeinsame Arbeit laufen, nicht über den Magen.

Wie viele Dummys brauche ich wirklich?

Weniger als meine 100, versprochen. Aber mit einer Handvoll unterschiedlicher Größen, Gewichte und Materialien hast du deutlich mehr Trainingsmöglichkeiten als mit einem einzigen Standarddummy – gerade für Suchenaufgaben mit mehreren ausgelegten Apporteln.

Sind Felldummys sinnvoll?

Für jagdlich geführte Hunde ja – als Zwischenschritt vom Dummy zum Wild. In Nichtjägerhand rate ich davon ab: Es gibt keinen Grund, das Interesse an Fell und Wild gezielt zu fördern, wenn dein Hund nie jagen wird.

Du willst das Suchen und Apportieren mit deinem Hund von Grund auf richtig aufbauen – bequem als Dummytraining online, in deinem Tempo? Dann schau dir mein Webinar „Suchen und Apportieren – Nasenarbeit systematisch aufbauen“ an.

Jetzt tiefer einsteigen

Das richtige Apportel ist die halbe Arbeit, der saubere Aufbau die andere. Wie beides zusammengeht, steckt im Webinar „Suchen und Apportieren“.

Webinar Suchen und Apportieren – Nasenarbeit systematisch aufbauen
Josi Schwarz mit Jagdhundewelpe

Josi Schwarz zählt zu den führenden Jagdhundeexpertinnen im DACH-Raum – Jägerin, Hundetrainerin, Leistungsrichterin im VBJ, fast 20 Jahre Erfahrung und vier eigene Jagdhunde, zu Hause im Berchtesgadener Land. In ihren Trainingsurlauben in Oberbayern und Ungarn arbeitet sie mit Jägern und Nichtjägern – mit System statt Lautstärke. Mehr über Josi →

Das könnte dich auch interessieren

← Zurück zur Blog-Übersicht

Warenkorb