Totverbeller oder Totverweiser: was zu deinem Hund passt

Pointer steht ruhig neben seinem Menschen und wartet auf die Freigabe

„Soll mein Hund verbellen oder verweisen?“ – die Frage kommt meistens, wenn der Hund schon zwei Jahre alt ist und die VGP am Horizont auftaucht. Dann ist sie schwer zu beantworten, weil sie zu spät kommt. Die ehrlichere Reihenfolge ist andersherum: Nicht du entscheidest, was dein Hund am Stück tut. Du liest, wozu er neigt, und baust das sauber aus.

„Ein Hund kann ein Reh nicht apportieren. Für solche Fälle braucht er eine Möglichkeit, dir den Fund anzuzeigen.“

Das Wichtigste in Kürze

  • Beide Wege sind bei der VGP Zusatzfächer zur Schweißarbeit – Totverbellen zählt mit Fachwert 4, Totverweisen mit 3.
  • Der Totverbeller muss rund zehn Minuten allein am Stück bleiben und laut rufen.
  • Der Totverweiser verlässt das Stück, kommt zurück und führt seinen Führer frei hin.
  • Entscheidend ist nicht, was mehr Punkte bringt, sondern was dein Hund von sich aus anbietet: Laut und Standfestigkeit oder Bindung und Bringfreude.
  • Umtrainieren ist möglich, aber teuer. Beobachte früh, statt später umzubauen.
Inhalt dieses Artikels
  1. Was die Prüfungsordnung verlangt
  2. Der Totverbeller: wann er passt
  3. Der Totverweiser: wann er passt
  4. Bringsel, Riemenende, Blickkontakt
  5. Fünf Fragen an deinen Hund
  6. Wann sich Umtrainieren lohnt – und wann nicht

Was die Prüfungsordnung verlangt

Beide Fächer sind bei der Verbandsgebrauchsprüfung Zusatzfächer zur Schweißarbeit. Man meldet sich für eines von beiden – der Hund kann nicht in beiden geprüft werden.

Totverbellen und Totverweisen nach der Verbandsgebrauchsprüfungsordnung des JGHV
TotverbellenTotverweisen
Fachwertziffer43
Was der Hund tutbleibt beim Stück und wird lautverlässt das Stück alsbald, kehrt zum Führer zurück, zeigt an und führt ihn frei zum Stück
Zeitrahmenwird innerhalb von etwa zehn Minuten laut und ruft dann rund zehn Minuten lang, allein auf sich gestelltkein festes Zeitfenster; das Anzeigen muss unmissverständlich sein
Was noch erlaubt istVerbellen bis etwa zehn Schritte neben dem Stück gilt nicht als Verlassen; kurzes Verstummen zum Atemholen ist zulässigals freies Führen gilt auch das Führen mit aufgenommenem Bringsel oder Schweißriemenende

Der Punktunterschied verleitet dazu, das Totverbellen für die „bessere“ Wahl zu halten. Ein Fachwert von 4 gegenüber 3 macht bei einem sehr guten Ergebnis vier Punkte Unterschied. Ein Totverbeller, der nach sechs Minuten das Stück verlässt, bekommt eine Null – und die wiegt schwerer als jeder Fachwert.

Merke

Die Prüfungsordnung unterscheidet nicht zwischen Bringselverweisen, Rückverweisen und anderen Formen. Sie beschreibt nur, was am Ende herauskommen muss: zurückkehren, anzeigen, frei zum Stück führen. Wie du dorthin kommst, ist deine Entscheidung.

Der Totverbeller: wann er passt

Zehn Minuten allein im Wald neben einem toten Stück stehen und rufen – das klingt harmlos und ist es nicht. Der Hund muss dafür drei Dinge mitbringen, die man nicht herbeitrainieren kann, wenn die Anlage fehlt.

Er muss laut sein. Nicht irgendwann und nicht auf Kommando, sondern aus der Situation heraus. Hunde, die von sich aus wenig Laut geben, werden hier zum Dauerprojekt.

Er muss allein zurechtkommen. Das ist der Punkt, an dem die meisten scheitern – nicht am Laut. Ein Hund, der stark auf seinen Menschen ausgerichtet ist und Unsicherheit über Rückkehr löst, wird nach drei Minuten nachsehen kommen, ob du noch da bist.

Er muss beim Stück bleiben wollen. Das Stück muss für ihn Bedeutung haben, sonst gibt es keinen Grund, dort auszuharren.

Dafür hat der Totverbeller einen praktischen Vorteil, der in der Prüfungsdiskussion oft untergeht: Im Ernstfall bleibt er beim Stück. Du weißt, wo es liegt, und du kommst hin – auch im Dunkeln, auch im Dickicht.

Der Totverweiser: wann er passt

Der Totverweiser dreht die Aufgabe um. Er muss das Stück verlassen können – und genau das fällt manchen Hunden schwerer als das Bleiben.

Er braucht Bindung. Der Rückweg zu dir muss selbstverständlich sein, auch über Distanz und auch wenn etwas Spannenderes hinter ihm liegt.

Er braucht Bringfreude und Bringtreue. Nicht nur für das Bringsel – auch für die Bereitschaft, eine Aufgabe zu Ende zu bringen, wenn es unbequem wird.

Er darf nicht zu schnell aufgeben. Ein Hund, der bei Schwierigkeiten aussteigt, wird dir auf halbem Weg abhandenkommen.

Sein Vorteil im Revier: Du bekommst die Information auch dann, wenn du das Verbellen gar nicht hören könntest – bei Wind, an einer Straße, hinter einem Hang. Und du hast deinen Hund bei dir, statt ihn irgendwo im Bestand zu vermuten.

Bringsel, Riemenende, Blickkontakt

Innerhalb des Verweisens gibt es mehrere Wege, und die Prüfungsordnung lässt sie alle zu. Der bekannteste ist der Bringselverweis: Der Hund nimmt ein Bringsel auf – ein Pocket-Dummy, notfalls ein Stück Spülschwamm an der Halsung –, kommt damit zu dir und führt dich zum Fund. Er gilt gern als Königsdisziplin, ist mit strukturiertem Aufbau aber ziemlich spielerisch zu erarbeiten. Was du am Anschuss vorfindest, bevor dein Hund überhaupt ansetzt, steht unter Pirschzeichen lesen. Wie der Aufbau des Bringselverweises in Schritten aussieht, steht in der Übersicht zur Schweißarbeit und Nachsuche.

Daneben zählt auch das Führen mit aufgenommenem Schweißriemenende als freies Führen. Und manche Hunde zeigen von sich aus über Blickkontakt und Körpersprache an – wer das vorher als eigenständiges Verhalten aufgebaut hat, hat für den Verweis schon die halbe Arbeit erledigt.

Praxis-Tipp

Bau das Bringsel getrennt von der Fährte auf. Erst apportiert dein Hund das Bringsel als normales Objekt. Dann liegt es beim nicht apportierbaren Gegenstand. Erst danach hängt es an der Halsung. Wer alle drei Schritte in einer Übung zusammenzieht, bekommt einen Hund, der das Bringsel kaut statt trägt.

Fünf Fragen an deinen Hund

Statt Für und Wider abzuwägen, beobachte. Diese fünf Fragen beantwortet dir dein Hund von selbst, wenn du hinschaust:

Wird er von sich aus laut, wenn er etwas gefunden hat und nicht drankommt? Ein Hund, der vor der Katze auf dem Schrank steht und schweigt, ist kein natürlicher Verbeller.

Was tut er, wenn du dich beim Spaziergang unbemerkt entfernst? Sucht er sofort? Oder bleibt er erst einmal bei seiner Sache?

Wie geht er mit Frustration um? Bleibt er dran und probiert weiter, oder wechselt er nach zwanzig Sekunden das Thema?

Trägt er gern und lange? Ein Hund, der Gegenstände ausspuckt, sobald etwas Interessanteres passiert, macht dir beim Bringsel Arbeit.

Was macht er am Stück? Das ist die ehrlichste Frage. Bleibt er, betrachtet, bearbeitet – oder kommt er zu dir, um es dir mitzuteilen?

Wann sich Umtrainieren lohnt – und wann nicht

Umbauen geht. Ein Hund, der schon verbellt hat und verweisen soll, muss lernen, das Stück zu verlassen – und das kostet mehr Zeit als der ursprüngliche Aufbau. Umgekehrt ist es noch schwerer: einem Hund, der gelernt hat zurückzukommen, das Bleiben beizubringen, arbeitet gegen alles, was er vorher als richtig erlebt hat.

Lohnt es sich trotzdem? In zwei Fällen ja. Wenn du merkst, dass die Anlage klar in die andere Richtung zeigt und ihr euch seit Monaten quält. Und wenn sich dein Revier so verändert hat, dass Verbellen praktisch nicht mehr funktioniert – an einer viel befahrenen Straße nützt dir der schönste Standlaut nichts.

In allen anderen Fällen: bleib dabei und mach es sauber. Ein solider Verweiser ist im Ernstfall mehr wert als ein halber Verbeller, der auf dem Papier einen Punkt mehr bringen würde. Wie sich beide Fächer in den Gesamtkanon einordnen, steht bei der VGP-Vorbereitung.

Fragen & Antworten

Was ist der Unterschied zwischen Totverbeller und Totverweiser?

Der Totverbeller bleibt beim gefundenen Stück und wird laut, um seinen Führer heranzurufen – nach der Prüfungsordnung wird er innerhalb von etwa zehn Minuten laut und ruft dann rund zehn Minuten lang. Der Totverweiser verlässt das Stück, kehrt zu seinem Führer zurück, zeigt den Fund an und führt ihn frei zum Stück. Beides sind bei der VGP Zusatzfächer zur Schweißarbeit; man meldet für eines von beiden.

Was bringt mehr Punkte bei der VGP?

Totverbellen hat die Fachwertziffer 4, Totverweisen die Fachwertziffer 3. Bei gleicher Leistungsziffer bringt Totverbellen also etwas mehr. Der Unterschied ist klein gegenüber dem Risiko, das falsche Fach zu wählen: Ein Hund, der die zehn Minuten am Stück nicht durchhält, verliert deutlich mehr, als der höhere Fachwert je einbringen könnte.

Zählt der Bringselverweis als Totverweisen?

Ja. Die Prüfungsordnung unterscheidet die Verweisarten nicht. Sie verlangt, dass der Hund das Stück verlässt, zurückkehrt, anzeigt und den Führer frei zum Stück führt – und ausdrücklich gilt auch das Führen mit aufgenommenem Bringsel oder Schweißriemenende als freies Führen.

Ab wann kann ich mit dem Aufbau anfangen?

Mit den Bausteinen früh: Laut, Bleiben, Rückkehr, Tragen und Bringtreue lassen sich lange vor der ersten Schweißfährte aufbauen. Mit der Entscheidung darfst du dir Zeit lassen – aber beobachte von Anfang an, wohin dein Hund tendiert, statt es mit zwei Jahren zum ersten Mal zu prüfen.

Kann ein Hund beides lernen?

Trainieren lässt sich vieles, geprüft wird nur eines. Praktisch ist es meist ein Nachteil: Ein Hund, der beides angeboten bekommt, entscheidet im Zweifel selbst – und das ist genau der Moment, in dem du dich auf ihn verlassen musst. Leg dich fest und mach das eine sauber.

Jetzt tiefer einsteigen

Ob Verbeller oder Verweiser – beides steht und fällt mit der Arbeit auf der Fährte davor. Wie du die anlegst, steht unter Schweißfährte legen. Im Webinar „Auf der Spur“ gehe ich den ganzen Aufbau mit dir durch: zur Webinar-Aufzeichnung „Auf der Spur“.

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Josi Schwarz mit Jagdhundewelpe

Josi Schwarz zählt zu den führenden Jagdhundeexpertinnen im DACH-Raum – Jägerin, Hundetrainerin, Leistungsrichterin im VBJ, fast 20 Jahre Erfahrung und vier eigene Jagdhunde, zu Hause im Berchtesgadener Land. In ihren Trainingsurlauben in Oberbayern und Ungarn arbeitet sie mit Jägern und Nichtjägern – mit System statt Lautstärke. Mehr über Josi →

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