VGP-Vorbereitung: den Jagdhund auf die Meisterprüfung vorbereiten

Deutsch-Kurzhaar auf einem herbstlichen Waldweg

Gerade bei jagdlich geführten Hunden stellt sich früher oder später die Frage, ob man mit seinem Hund Prüfungen ablegen will. Von der Anlagenprüfung über die Herbstzuchtprüfung bis zur Verbandsgebrauchsprüfung – und irgendwann steht die VGP im Raum, die viele ehrfürchtig „Meisterprüfung“ nennen. Zu Recht: Sie ist die umfassendste Prüfung, die ein Vorstehhund ablegen kann. Und sie ist der Punkt, an dem sich zeigt, ob in den zwei Jahren davor sauber gearbeitet wurde – oder nur auf Prüfung hin.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die VGP prüft nicht Anlagen, sondern fertige Arbeit – in Wald, Wasser, Feld und im Gehorsam, verteilt über zwei Prüfungstage.
  • Wer im August anfängt, ist zu spät dran: Die tragenden Fächer brauchen Monate, nicht Wochen.
  • Die meisten Punkte gehen nicht bei den spektakulären Fächern verloren, sondern im Gehorsam.
  • Ich trainiere nicht auf Prüfung hin, sondern auf Orientierung und Zusammenarbeit. Die Prüfung ist dann das Nebenprodukt.
Inhalt dieses Artikels
  1. Was die VGP von VJP und HZP unterscheidet
  2. Der Zeitplan: warum die Vorbereitung nicht im August beginnt
  3. Die vier Baustellen – und wo es meistens klemmt
  4. Gehorsam: der unterschätzte Punktelieferant
  5. Meine Haltung: nicht auf Prüfung hin trainieren
  6. Was eine bestandene VGP nicht beweist

Was die VGP von VJP und HZP unterscheidet

Die VJP ist eine reine Anlagenprüfung: Sie schaut, was im Hund steckt. Die HZP fragt, was daraus geworden ist – ob aus Veranlagung bereits Handwerk entstanden ist. Die VGP fragt etwas anderes: Ist dieser Hund im Jagdbetrieb fertig?

Entsprechend breit ist sie angelegt. Geprüft wird über zwei Tage in vier Bereichen: Waldarbeit, Wasserarbeit, Feldarbeit und Gehorsam. Dazu gehören unter anderem die Übernachtschweißfährte mit Riemenarbeit und dem Verweisen oder Verbellen des Stücks, Buschieren und Stöbern, Schleppen mit Haar- und Federwild, das Stöbern im deckungsreichen Gewässer, das Verlorenbringen der Ente über tiefes Wasser sowie Suche und Vorstehen im Feld.

MerkeWelche Fächer in welcher Wertigkeit geprüft werden, regelt die Verbandsprüfungsordnung des JGHV – und die wird immer wieder angepasst. Zieh dir vor der Meldung die aktuelle Fassung und die Ausschreibung deines Vereins, statt dich auf Hörensagen (auch nicht auf meines) zu verlassen.

Der Zeitplan: warum die Vorbereitung nicht im August beginnt

Der August ist die kritische Phase der Vorbereitung – aber eben nicht ihr Anfang. Was ich jedes Jahr sehe: Im Spätsommer wird plötzlich hektisch an allem gleichzeitig gearbeitet, weil die Herbsttermine im Kalender stehen. Dann ist der Druck hoch, die Zeit knapp – und der Hund spürt das ganz genau.

Realistisch teilt sich die Vorbereitung so auf:

  • Ganzjährig, ohne Prüfungsbezug: Ruhe, Standruhe, freiwillige Kontaktaufnahme, Bringtreue. Das sind keine Prüfungsfächer, das ist das Fundament, auf dem alle Fächer stehen.
  • Über Monate: Schweißarbeit am Riemen, Schleppen und Spurarbeit, Wasserarbeit im deckungsreichen Gewässer. Diese Fächer wachsen mit Wiederholung und Untergrundwechsel – nicht mit Intensität.
  • In den letzten Wochen: Feinschliff, Präzision, Prüfungsablauf, Arbeiten unter Beobachtung. Hier feilst du an Disziplin, Apport und Standruhe – genau dort, wo es oft auf die entscheidenden Punkte ankommt.

Wenn dein Hund im Wasser noch unsicher ist, gehört das in die erste Kategorie, nicht in die dritte. Wie du das planmäßig aufbaust, habe ich in der Wasserarbeit Schritt für Schritt beschrieben.

Deutsch-Kurzhaar arbeitet mit tiefer Nase konzentriert eine Fährte aus
Die Waldarbeit entscheidet sich nicht am Prüfungstag, sondern in den Monaten davor.

Die vier Baustellen – und wo es meistens klemmt

Waldarbeit. Die Übernachtfährte ist für viele der Knackpunkt – nicht, weil die Hunde nicht riechen könnten, sondern weil sie zu schnell arbeiten. Ein Hund, der die Fährte überläuft, hat kein Nasenproblem, sondern ein Erregungsproblem. Das löst man nicht auf der Fährte, sondern vorher.

Wasserarbeit. Stöbern im Schilf und das Verlorenbringen über tiefes Wasser setzen einen Hund voraus, für den Wasser Arbeitsfläche ist und nicht Hindernis. Wer hier im August anfängt, verknüpft Wasser mit Druck. Das rächt sich.

Feldarbeit. Vorstehen kann man nicht trainieren – aber man kann es zerstören. Zu viel Druck, zu viele Eingriffe, zu viel Kontrolle im falschen Moment führen dazu, dass ein Hund seine natürliche Sicherheit am Wild verliert. Mich interessiert deshalb weniger, wie lange ein Hund steht, sondern wie er zum Wild kommt: mit welcher Ruhe, mit welcher Sicherheit, mit welcher Selbstverständlichkeit.

Gehorsam. Dazu gleich mehr – das ist der Bereich, der die meisten Prüfungen entscheidet.

Gehorsam: der unterschätzte Punktelieferant

Leinenführigkeit, Folgen frei bei Fuß, Ablegen, Verhalten am Stand, Schussruhe. Klingt langweilig, oder? Genau deshalb wird es vernachlässigt – und genau deshalb bröckeln dort die Punkte.

Das Tückische: Diese Fächer sehen zu Hause immer gut aus. Auf der Prüfung kommen fremde Menschen, fremde Hunde, Schüsse, Wild und Wartezeit dazu. Ein Hund, der das „In-sich-Ruhen“ nicht gelernt hat, dreht dann auf, arbeitet kopflos und überpassioniert – und vereitelt im Extremfall selbst den Jagderfolg, weil er Wild vergrämt.

Deshalb ritualisiere ich Ruhe von Anfang an und unabhängig davon, ob ein Hund später überhaupt jagdlich geführt wird. Ein mit Verarbeitungsprozessen überladenes Hundegehirn hat keine Kapazität mehr für deinen Input. Und ohne Kapazität gibt es keine Punkte.

Meine Haltung: nicht auf Prüfung hin trainieren

Ich arbeite früh – aber nicht auf Prüfung hin, sondern auf Orientierung, Verständigung und echte Zusammenarbeit. Das ist kein Gegensatz zur VGP, sondern der kürzere Weg dorthin.

Denn was passiert, wenn man es anders macht, sieht man schon eine Stufe früher: Manche Hunde werden früh für die Jagd „aufgemacht“ – sie lernen, triebig auf Spur zu gehen, können mit zehn Monaten eine Hasenspur halten, haben aber keine verlässliche Orientierung am Menschen. Was dabei verloren geht, sind Ruhe, Kooperationsbereitschaft, Kontaktaufnahme und Verständnis für Regeln. Und dann kommt die nächste Prüfungsstufe mit Anforderungen auf einem völlig anderen Niveau – ein Sprung, den viele Hunde schlicht nicht sauber mitgehen können.

Wer die VGP machen will, soll das tun. Aber bitte nicht als Selbstzweck.

Was eine bestandene VGP nicht beweist

„Nur ein geprüfter Hund ist jagdlich brauchbar.“ Diesen Satz hört man oft, gerade in jagdlichen Kreisen. Er ist nicht völlig falsch – aber er greift zu kurz. Eine bestandene Sonderprüfung zeigt nicht automatisch, dass der Hund auch im echten Jagdbetrieb zuverlässig arbeitet.

Prüfungen sind Momentaufnahmen unter definierten Bedingungen.

Im Alltag zählen andere Dinge: Souveränität bei wechselnden Wildarten, Abrufbarkeit unter realem Jagddruck, sichere Führerorientierung auch bei hoher Ablenkung, Jagdverstand und strategisches Arbeiten. Prüfungen sind wichtige Meilensteine. Echte Brauchbarkeit beweist sich draußen, unter Praxisbedingungen.

Wenn du für den Herbst ernsthaft vorbereiten willst und dabei nicht allein herumprobieren möchtest: In der Intensiv-Woche in Ungarn arbeiten wir genau an den Fächern, die auf der VGP die Punkte bringen – Wasserarbeit, Schleppen und Apport, Waldarbeit und Gehorsam am Wild.

Fragen & Antworten

Muss mein Hund vor der VGP eine VJP oder HZP bestanden haben?

Nicht zwingend – der übliche Weg bei den kontinentalen Vorstehhunden führt aber über beide, weil sie die Fächer der VGP vorbereiten. Welche Voraussetzungen konkret gelten, steht in der Verbandsprüfungsordnung und in der Ausschreibung des veranstaltenden Vereins. Frag im Zweifel direkt beim Prüfungsleiter nach, bevor du meldest.

Wie viel Zeit brauche ich realistisch für die Vorbereitung?

Rechne in Jahren, nicht in Monaten. Das Fundament – Ruhe, Standruhe, Bringtreue, Kontakt – baust du vom Welpenalter an auf. Die eigentlichen Fächer brauchen danach eine ganze Saison mit vielen Wiederholungen auf wechselndem Untergrund. Die letzten sechs bis acht Wochen sind Feinschliff, kein Aufbau.

Mein Hund arbeitet auf der Schweißfährte zu schnell. Was tun?

Nicht auf der Fährte bremsen. Ein Hund, der überläuft, ist meist zu hoch erregt angesetzt – arbeite an der Erregungslage vor dem Anschuss und an der Ruhe am Riemen. Kürzere Fährten mit mehr Stehzeit und weniger Wild in der Nähe helfen mehr als längere Fährten mit mehr Druck.

Lohnt sich die VGP, wenn ich nur gelegentlich jagdlich führe?

Das musst du selbst entscheiden. Für die reine Brauchbarkeit im Revier brauchst du sie nicht – dafür gibt es die Brauchbarkeitsprüfung, die Ländersache ist. Die VGP lohnt sich, wenn du den ganzen Hund ausbilden willst und Freude an der Arbeit hast. Als Statussymbol lohnt sie sich nie.

Jetzt tiefer einsteigen

Für die VGP brauchst du Wald, Wasser, Feld und Gehorsam – und dafür Gelände. In Ungarn haben wir das, im Individualurlaub gehen wir deine Baustellen einzeln durch.

Produktkachel Feld- und Wasserseminar in Ungarn – Deutsch Kurzhaar apportiert Ente aus dem WasserProduktkachel Individualurlaub – 5 Tage Einzeltraining für Jagdhunde im Berchtesgadener Land
Josi Schwarz mit Jagdhundewelpe

Josi Schwarz zählt zu den führenden Jagdhundeexpertinnen im DACH-Raum – Jägerin, Hundetrainerin, Leistungsrichterin im VBJ, fast 20 Jahre Erfahrung und vier eigene Jagdhunde, zu Hause im Berchtesgadener Land. In ihren Trainingsurlauben in Oberbayern und Ungarn arbeitet sie mit Jägern und Nichtjägern – mit System statt Lautstärke. Mehr über Josi →

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