Jagdhundeprüfungen von A bis Z: der Überblick

Magyar Vizsla steht wachsam im Schnee

VJP, HZP, VGP, BP, VSwP, Btr, AH, GP. Wer neu im Thema ist, versteht erst mal gar nichts – und wer schon länger dabei ist, hat oft trotzdem Lücken. Dieser Artikel sortiert die wichtigsten Jagdhundeprüfungen: was jeweils geprüft wird, für welche Hunde sie gedacht sind, in welcher Reihenfolge sie üblicherweise kommen. Und am Ende die Frage, die selten gestellt wird: Muss das eigentlich alles sein?

Diese Seite ist zum Vergleichen gedacht. Wenn du dagegen eine einzelne Prüfung in der Tiefe brauchst – Fächer, Punkte, Fahrplan –, findest du sie hier: VJP, HZP, VGP, Brauchbarkeit und die Schweißprüfungen. Was oberhalb der VGP kommt, steht unter Spitzen- und Spezialprüfungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Anlagenprüfungen (VJP, Derby) fragen, was im Hund steckt. Zuchtprüfungen (HZP) fragen, was daraus geworden ist. Die VGP fragt, ob er fertig ist.
  • Die Brauchbarkeitsprüfung ist Ländersache und steht neben den Verbandsprüfungen – sie ersetzt sie nicht.
  • Spezialprüfungen wie VSwP, Btr und AH prüfen einzelne Qualitäten in großer Tiefe.
  • Für Bracken und Stöberhunde gilt ein eigener Kanon mit der GP an der Spitze.
Inhalt dieses Artikels
  1. Anlagenprüfungen: VJP und Derby
  2. Die Zuchtprüfung: HZP
  3. Die Meisterprüfung: VGP
  4. Die Brauchbarkeit: Ländersache
  5. Spezialprüfungen: VSwP, Btr und AH
  6. Bracken und Stöberhunde: die GP
  7. In welcher Reihenfolge – und muss es überhaupt sein?
  8. Und wenn du auf eine Prüfung hinarbeitest?
Die Jagdhundeprüfungen im direkten Vergleich
Prüfung Wann Was geprüft wird Punkte und Besonderheiten
VJP
Verbandsjugendprüfung
Frühjahr des ersten Lebensjahres Reine Anlagen: Spurarbeit, Nasengebrauch, Suche, Vorstehen, Führigkeit Höchstpunktzahl 81. Keine Abrichtefächer.
Derby Frühjahr, wie die VJP Anlagen des Junghundes Junghundeprüfung außerhalb des VJP-Systems, von Zuchtvereinen ausgerichtet.
HZP
Herbstzuchtprüfung
Herbst, frühestens ab 1. September Anlagen plus Abrichtefächer, Schwerpunkt Wasserarbeit und Verlorensuche Höchstpunktzahl 235, mindestens 3 Punkte in jedem Fach.
VGP
Verbandsgebrauchsprüfung
ab etwa 18 Monaten Zwei Tage über Wald, Wasser, Feld und Gehorsam Die Riemenarbeit auf der Übernachtfährte wiegt am schwersten.
Brauchbarkeit je nach Bundesland Landesrechtlich festgelegter Mindestumfang Keine Verbandsprüfung, sondern die Zulassung zum jagdlichen Führen. In sechzehn Ländern unterschiedlich geregelt.
VSwP / VFSP
Schweißprüfungen
wenn die Riemenarbeit steht Riemenarbeit auf der Kunstfährte Mindestens 1.000 Meter Fährtenlänge, Stehzeit 20 oder 40 Stunden.
VStP
Verbandsstöberprüfung
ab 15 Monaten Stöberarbeit, Wasser, Gehorsam Lautnachweis und Schussfestigkeit sind Zulassungsvoraussetzung, nicht Prüfungsfach.
Btr
Bringtreueprüfung
eigenständig Selbstständiges Bringen eines Stücks Haarwild aus der Deckung Prüft Bringtreue ohne Einwirkung des Führers.
GP
Gebrauchsprüfung für Bracken
eigener Prüfungskanon Hasenspur mit deutlich hörbarem Spurlaut Der Spurlaut ist Pflicht, nicht Kür.
Zur Einordnung der Zahlen

Die Punktzahlen stammen aus den Prüfungsordnungen des JGHV. Bei der Brauchbarkeit steht bewusst keine, weil sie in jedem Bundesland anders geregelt ist – dort gilt immer die Verordnung deines Landes und die Ausschreibung des ausrichtenden Vereins.

Schaubild der Jagdhundeprüfungen: VJP prüft die Anlagen, HZP was daraus geworden ist, VGP ob der Hund fertig ist, Brauchbarkeitsprüfung ist Ländersache
Drei Stufen im Verband – die Brauchbarkeitsprüfung steht daneben und ersetzt sie nicht.

Anlagenprüfungen: VJP und Derby

Die Verbandsjugendprüfung (VJP) ist eine reine Anlagenprüfung: Sie soll zeigen, was im jungen Hund von Natur aus steckt. Im Zentrum steht die Hasenspur, dazu kommen Nasengebrauch, Spurwille, Suche, Vorstehen und Wasserfreude.

Das Derby ist ebenfalls eine Junghundeprüfung, wird aber von Zuchtvereinen im Feld ausgerichtet und legt den Schwerpunkt auf die Feldarbeit. Beim Deutsch-Kurzhaar tritt es an die Stelle der VJP: Wer dort führt, meldet in aller Regel zum Derby und nicht zusätzlich zur VJP. Im Herbst folgt dann die Solms, die im DK-System die Rolle der HZP übernimmt. Danach mündet beides in dieselbe VGP. Beide sind Standortbestimmungen, keine Ausbildungsziele.

Und genau da liegt in der Praxis das Problem. Was eigentlich eine Anlagenprüfung sein soll, wird in vielen Fällen als zentraler Ausbildungsschritt behandelt. Manche Hunde werden früh für die Jagd „aufgemacht“: Sie lernen, triebig auf Spur zu gehen, können mit zehn Monaten eine Hasenspur halten – haben aber keine verlässliche Orientierung am Menschen. Was dabei verloren geht, sind Ruhe, Kooperationsbereitschaft, Kontaktaufnahme und Verständnis für Regeln. Mehr dazu in der VJP-Vorbereitung.

Die Zuchtprüfung: HZP

Nach der VJP folgt für viele Vorstehhunde die Herbstzuchtprüfung. Sie ist nicht für alle Jagdhunderassen gedacht, sondern speziell für die kontinentalen Vorstehhunde – also etwa Deutsch Drahthaar, Deutsch Kurzhaar, Weimaraner oder Münsterländer.

Während die VJP reine Anlagen prüft, kommen in der HZP vor allem Fächer für die Arbeit nach dem Schuss dazu: Apportieren von Feder- und Haarwild, Schleppenarbeit, Wasserarbeit mit und ohne Ente, Schussfestigkeit am Wasser sowie Gehorsam, Führigkeit und Wesen. Damit geht es nicht mehr nur darum, was im Hund steckt, sondern darum, wie er mit seinem Führer zusammenarbeitet.

Besonders anspruchsvoll ist die Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer: Hier soll der Hund selbstständig und systematisch arbeiten, ohne den Kontakt zum Menschen zu verlieren. Je nach Bundesland können bestimmte Wasserfächer eingeschränkt oder angepasst sein. Details in der HZP-Vorbereitung.

Die Meisterprüfung: VGP

Die Verbandsgebrauchsprüfung ist die umfassendste Prüfung, die ein Vorstehhund ablegen kann – über zwei Tage, in den Bereichen Waldarbeit, Wasserarbeit, Feldarbeit und Gehorsam. Sie fragt nicht mehr nach Anlagen und nicht nach Entwicklung, sondern: Ist dieser Hund im Jagdbetrieb fertig?

Der Sprung von der HZP zur VGP verlangt ein deutlich anderes Niveau. Wie du die Vorbereitung über Monate statt über Wochen anlegst, steht in der VGP-Vorbereitung.

Deutsch-Kurzhaar steht aufmerksam auf der Wiese und wartet auf die Freigabe
Standruhe und Gehorsam entscheiden mehr Prüfungen als die spektakulären Fächer.

Die Brauchbarkeit: Ländersache

Die Brauchbarkeitsprüfung fällt aus diesem System heraus, weil sie keine Verbandsprüfung ist, sondern Ländersache. Umfang, Inhalte und Anforderungen unterscheiden sich je nach Bundesland deutlich. Sie soll nachweisen, dass dein Hund in der Praxis sicher und tierschutzgerecht eingesetzt werden kann.

Es gibt Vollprüfungen und eingeschränkte Brauchbarkeit, etwa nur für die Nachsuche auf Schalenwild. In einigen Ländern – Bayern gehört dazu – ist sie Voraussetzung dafür, mit Hund zu Gesellschaftsjagden zu gehen. Sie ersetzt die Verbandsprüfungen nicht, wird aber in vielen Ländern anerkannt oder gefordert. Alles dazu in der Brauchbarkeitsprüfung.

Spezialprüfungen: VSwP, Btr und AH

Verbandsschweißprüfung (VSwP). Die Königsdisziplin der Nachsuche. Eine 1.000 bis 1.200 Meter lange Schweißfährte mit 20 oder 40 Stunden Stehzeit, mit Anschuss, Haken und Wundbetten, in großen wildreichen Forsten. Teilnehmen dürfen üblicherweise Hunde ab 24 Monaten, die Schussfestigkeit und lautes Jagen nachgewiesen haben. Details bei der Schweißarbeit und Nachsuche. Wie eine Übungsfährte dafür angelegt wird, steht in der Anleitung zum Schweißfährte legen.

Bringtreueprüfung (Btr). Ein Stück Haarwild wird in Deckung ausgelegt, ohne dass der Hund es sieht – dann soll er es in maximal 20 Minuten eigenständig finden, aufnehmen und bringen. Ohne Kommando, ohne Sichtzeichen. Geprüft werden Selbstständigkeit, Ausdauer, innere Bindung und Charakter. Mehr in der Bringtreueprüfung.

Armbruster-Haltabzeichen (AH). Mit dem in der Jägerschaft hoch angesehenen AH wird besonderer Gehorsam am Hasen honoriert. Der Hund muss auf einer Verbandsprüfung in der freien Feldsuche an jedem von ihm eräugten Hasen sicher halten – selbst bei hoher Jagdpassion. Anschließend muss er auf Kommando die Hasenspur ausarbeiten, und zwar so, dass die Spurarbeit mindestens mit „gut“ bewertet werden kann. Die Kombination aus Standruhe im Sichtkontakt und verlässlicher Spurarbeit macht das AH zu einem der anspruchsvollsten Leistungszeichen im Vorstehhundebereich. Es kann nur im Rahmen einer Verbandsprüfung erworben werden; der Prüfungsleiter beantragt die Verleihung anschließend beim JGHV.

Bracken und Stöberhunde: die GP

Für Bracken gilt ein eigener Kanon, und an seiner Spitze steht die Gebrauchsprüfung (GP): der Nachweis, dass der Hund spurtreu, laut und jagdlich voll einsetzbar ist. Hier zählt nicht Unterordnung, sondern Führigkeit im jagdlichen Arbeiten – eine Bracke soll selbstständig arbeiten, aber kontrollierbar bleiben. Der Fährtenlaut ist dabei kein Detail unter vielen, sondern das Ausschlusskriterium: Stumme oder weidlaute Bracken scheiden aus. Wer von den Vorstehhunden kommt, unterschätzt das regelmäßig.

Geprüft werden die Hasenspur mit deutlich erkennbarem Spurlaut, die Schweißarbeit an einer künstlichen Wundfährte, das Verhalten am Stück sowie Gehorsam und Führigkeit. Bewertet wird mit 0 bis 4 Punkten pro Fach; bestanden ist nur, wer in allen Pflichtfächern mindestens eine 2 erreicht. Bewertet werden Spurwille, Fährtensicherheit, Selbstständigkeit und Führigkeit.

Der Spurlaut ist Pflicht. Er muss während der Spurarbeit deutlich, regelmäßig und anhaltend hörbar sein – ein stumm arbeitender Hund kann nicht bestehen. Ziel: laut auf der Spur, ruhig am Stück.

MerkeAlle Angaben hier beschreiben den üblichen Rahmen. Verbindlich sind die Verbandsprüfungsordnung des JGHV, die Ordnungen der Zuchtvereine und – bei der Brauchbarkeit – die Verordnung deines Bundeslands. Die werden regelmäßig angepasst. Zieh sie vor jeder Meldung frisch.

In welcher Reihenfolge – und muss es überhaupt sein?

Der klassische Weg bei den kontinentalen Vorstehhunden führt von der VJP über die HZP zur VGP, mit der Brauchbarkeit irgendwo dazwischen und den Spezialprüfungen danach. Das ist ein sinnvoller Aufbau, weil jede Stufe die nächste vorbereitet.

Sinnvoll heißt aber nicht zwingend. Als Leistungsrichterin im Verein brauchbarer Jagdhund (VBJ) sehe ich beide Enden: Hunde, die formal alles haben und im Revier trotzdem nicht bestehen. Und Hunde ohne ein einziges Abzeichen, die jede Nachsuche sauber bringen. Eine bestandene Prüfung ist eine Momentaufnahme unter definierten Bedingungen. Im Alltag zählen Souveränität bei wechselnden Wildarten, Abrufbarkeit unter realem Jagddruck, sichere Führerorientierung bei hoher Ablenkung, Jagdverstand und strategisches Arbeiten.

Noch ein Gedanke, der in Prüfungsdiskussionen oft untergeht: Es ist inzwischen völlig en vogue, Jagdhunde streng nach ihrem ursprünglichen Einsatzgebiet auszubilden – Schweißhunde ausschließlich auf der Fährte, Vorsteher nur im Feld und am Wasser, Bracken präferiert im Stöbern und Laut. Grundsätzlich ist das richtig. Aber ein Hund kann so viel mehr leisten. Wer umfassend ausgebildet ist, lässt sich flexibler einsetzen: Statt fünf Nachsuchen im Jahr hast du vielleicht zusätzlich ein paar Drückjagden und sogar eine Wasserjagd als Option – für denselben Hund. Und außerhalb der Jagd macht es das Leben leichter. Ein Schweißhund, der apportieren kann, lässt sich in der jagdfreien Zeit sinnvoll beschäftigen.

Wir brauchen keine Fachidioten, sondern breit aufgestellte Spezialisten.

Prüfungen sind wichtige Meilensteine. Echte Brauchbarkeit beweist sich draußen, unter Praxisbedingungen. Wer eine Prüfung machen will, soll das tun – aber bitte nicht als Selbstzweck.

Neu hinzugekommen ist außerdem die Verbandsstöberprüfung (VStP). Sie stellt die Arbeit im Dickicht ins Zentrum – mit dem Fach „Stöbern vom Stand geschnallt“ als schwerstem Posten – und schließt damit die Lücke, die VJP, HZP und VGP für Wachtelhunde, Bracken, Terrier und Teckel gelassen haben. Alle Fächer und Anforderungen stehen in Die Verbandsstöberprüfung (VStP).

Mit der bestandenen Prüfung ist der Weg noch nicht zu Ende. Was im ersten Jahr danach auf dich zukommt und woran im Revier am häufigsten etwas hakt, steht unter Die erste Jagdsaison.

Was die einzelnen Prüfungen kosten – Gebühren für Mitglieder und Nichtmitglieder, dazu Ausrüstung, Fahrten und Unterhalt – habe ich in einer eigenen Aufstellung durchgerechnet: Was die Jagdhundeausbildung wirklich kostet.

Wenn du für die Vorbereitung Anleitung vor Ort suchst: Woran du eine gute Jagdhundeschule erkennst und welche Formate es gibt, steht auf einer eigenen Seite.

Und Field Trial?

Field Trial steht außerhalb dieser Reihenfolge, und das ist keine Abwertung. Es ist ein Wettbewerb, kein Zucht- oder Brauchbarkeitsnachweis. Entstanden aus der Frühjahrsprüfung junger Pointer und Setter, ist daraus ein Sport geworden, der von der kleinen Prüfung bis zur Weltmeisterschaft reicht. Gearbeitet wird mit Schreckschusspistole, geprüft in Solosuche für junge Hunde und in Paarsuche, bei der zwei Hunde gemeinsam arbeiten und das Vorstehen des anderen respektieren müssen.

Die Szene ist international und in Frankreich, Italien und Spanien deutlich größer als hier, dominiert von den englischen Vorstehhunderassen. Wenn dir in einer Ahnentafel ein FT begegnet, weißt du damit, wovon die Rede ist. In die deutsche Prüfungsleiter gehört es nicht.

Und wenn du auf eine Prüfung hinarbeitest?

Bis hierher ging es darum, welche Prüfung wann dran ist. Die zweite Frage kommt meistens direkt danach: Wo übt man das, was dort verlangt wird?

Bei den meisten Gespannen hakt es an derselben Stelle, und das ist die Gelegenheit. Ein deckungsreiches Gewässer. Eine Fläche mit Besatz. Federwild zum Schleppen. Ein Revier, in dem ein Hase hochgeht, während der Hund liegen bleibt. Der Gehorsam dagegen wird zu Hause entschieden, durch Wiederholung im Alltag – dafür brauchst du niemanden.

Ich arbeite deshalb in Blöcken. Fünf Tage am Stück festigen bei jagdlich motivierten Hunden mehr als fünf Kursabende über fünf Wochen.

Ungarn ist der Ort für alles, was zu Hause an fehlender Gelegenheit scheitert: Feld, Wasser und Wild liegen dort beieinander. Individuell oder in der Gruppe. Mehr dazu unter Seminare in Ungarn.

Trainingswoche in Oberbayern – fünf Tage eins zu eins, wenn mehrere Fächer gleichzeitig anstehen und du am Ende einen Plan für die Wochen danach brauchst. Details auf der Seite zur Trainingswoche in Oberbayern.

Einzeltraining – einzelne Termine, wenn genau ein Fach hakt und der Rest steht. Siehe Einzeltraining.

Woran wir konkret arbeiten, hängt an der Prüfung, die vor euch liegt. Die Fächer, der Zeitplan und die typischen Stolpersteine stehen auf den Seiten zur VJP-Vorbereitung, zur HZP-Vorbereitung und zur VGP-Vorbereitung.

Fragen & Antworten

Welche Prüfung brauche ich, um mit Hund zur Jagd zu gehen?

In der Regel die Brauchbarkeitsprüfung deines Bundeslands – für bestimmte Jagdarten wie Drückjagden, Wasserjagd oder Nachsuche ist ein brauchbarer Hund gesetzlich vorgeschrieben. Die Verbandsprüfungen sind dafür nicht zwingend, decken die Anforderungen aber inhaltlich meist weit ab.

Kann ich Prüfungen ohne Papiere ablegen?

Bei den klassischen Verbandsprüfungen des JGHV in der Regel nicht. Es gibt aber Vereine – zum Beispiel den VBJ – die rasseunabhängig Hunde mit und ohne Papiere zur Brauchbarkeit prüfen. Das ist für viele Nichtzuchthunde und Hunde aus dem Tierschutz der realistische Weg.

Was ist der Unterschied zwischen Anlagen- und Leistungsprüfung?

Anlagenprüfungen wie VJP und Derby bewerten angeborene Eigenschaften: Nase, Spurwille, Suche, Vorstehen, Wasserfreude. Leistungsprüfungen wie HZP, VGP oder GP bewerten ausgebildete Arbeit – also das, was Hund und Führer daraus gemacht haben.

Mein Hund ist kein Vorstehhund. Welche Prüfungen kommen für ihn infrage?

Das hängt von der Rassegruppe ab. Für Bracken ist die GP das Ziel, für Schweißhunde die VSwP, für Stöberhunde und Terrier gibt es eigene Ordnungen. Die Brauchbarkeit steht allen offen. Frag beim für deine Rasse zuständigen Zuchtverein – dort weiß man, welcher Weg passt.

Wie viele Punkte hat die HZP?

Die Höchstpunktzahl der Herbstzuchtprüfung liegt bei 235 Punkten. In jedem einzelnen Fach müssen mindestens 3 Punkte erreicht werden – ein einziges Fach mit weniger lässt die Prüfung scheitern, auch wenn die Gesamtpunktzahl hoch ist. Die elf Punkte, die man aus der VJP kennt, sind den Anlagefächern vorbehalten; die Abrichtefächer werden im Bereich „sehr gut“ mit höchstens zehn bewertet.

Wie viele Punkte hat die VJP?

81 Punkte. Die Verbandsjugendprüfung bewertet ausschließlich Anlagen – Spurarbeit, Nasengebrauch, Suche, Vorstehen und Führigkeit. Abrichtefächer kommen nicht vor, weil der Hund im ersten Frühjahr zeigen soll, was in ihm steckt, nicht was ihm beigebracht wurde.

Was ist der Unterschied zwischen VJP und HZP?

Die VJP prüft Anlagen, die HZP prüft Anlagen plus Ausbildung. In der VJP zeigt der Junghund im Frühjahr seine angeborenen Fähigkeiten. In der HZP im Herbst kommen die Abrichtefächer dazu: Bringen, Schleppen, Wasserarbeit, Verlorensuche. Deshalb ist die VJP mit 81 Punkten bewertet und die HZP mit 235.

Ab welchem Alter darf ein Hund zur VJP?

Die VJP wird im Frühjahr des ersten Lebensjahres geführt – in der Praxis meist mit neun bis zwölf Monaten. Den Zeitpunkt geben die Prüfungstermine im Frühjahr vor, du kannst ihn dir nicht aussuchen. Wer den Termin verpasst, kann die VJP im Folgejahr nicht nachholen.

Brauche ich die Brauchbarkeitsprüfung?

Das hängt von deinem Bundesland ab. Die Brauchbarkeit ist keine Verbandsprüfung, sondern eine landesrechtliche Zulassung zum jagdlichen Führen – etwa für die Nachsuche oder die Teilnahme an Bewegungsjagden. Was gefordert wird und ob es eine Voll- oder eine eingeschränkte Brauchbarkeit gibt, regelt jedes Land selbst. Eine bestandene VGP deckt die Anforderungen in der Regel ab.

In welcher Reihenfolge legt man die Prüfungen ab?

Der klassische Weg bei den kontinentalen Vorstehhunden ist VJP im Frühjahr, HZP im Herbst, VGP ab etwa achtzehn Monaten. Zwingend ist das nicht. Wer keinen Zuchtambitionen folgt, kann die HZP auslassen und direkt auf die VGP hinarbeiten – oder ganz auf Verbandsprüfungen verzichten und nur die Brauchbarkeit ablegen, wenn das Land sie verlangt.

Wie lang ist die Fährte bei der Verbandsschweißprüfung?

Mindestens 1.000 Meter, bei einer Stehzeit von 20 oder 40 Stunden – je nachdem, in welcher Klasse geführt wird. Die längere Stehzeit ist die anspruchsvollere Variante, weil die Fährte schwächer wird und der Hund selbstständiger arbeiten muss.

Was ist die Verbandsstöberprüfung?

Die VStP ist die Prüfung für Stöberhunde und ab fünfzehn Monaten möglich. Besonders daran: Lautnachweis und Schussfestigkeit sind keine Prüfungsfächer, sondern Voraussetzung für die Zulassung. Wer sie nicht mitbringt, wird gar nicht erst geführt.

Wo diese Prüfung im Gesamtaufbau steht, siehst du im Überblick zur Jagdhundeausbildung.

Was hinter KS, Hegewald, IKP und den Leistungszeichen steckt, habe ich unter Spitzen- und Spezialprüfungen aufgeschrieben.

Wenn du statt eines Welpen einen fertig ausgebildeten Hund suchst: Die Prüfungen in der Ahnentafel sind dabei das Einzige, was sich objektiv vergleichen lässt. Worauf du achten solltest, steht unter Ausgebildeten Jagdhund kaufen.

Wer mit dir arbeitet

Josi Schwarz. Hundetrainerin mit Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz, ausgebildet und geprüft bei Anton Fichtlmeier. Seit zehn Jahren Leistungsrichterin im Verein Brauchbarer Jagdhund (VBJ), für Brauchbarkeits- und Stöberprüfungen.

Jetzt tiefer einsteigen

Wenn du eine Prüfung konkret angehst, entscheidet das Training draußen – nicht die Prüfungsordnung auf dem Küchentisch. In Ungarn arbeiten wir an genau den Fächern, die am Prüfungstag Punkte bringen.

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Josi Schwarz mit Jagdhundewelpe

Josi Schwarz zählt zu den führenden Jagdhundeexpertinnen im DACH-Raum – Jägerin, Hundetrainerin, Leistungsrichterin im VBJ, fast 20 Jahre Erfahrung und vier eigene Jagdhunde, zu Hause im Berchtesgadener Land. In ihren Trainingsurlauben in Oberbayern und Ungarn arbeitet sie mit Jägern und Nichtjägern – mit System statt Lautstärke. Mehr über Josi →

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