Brauchbarkeitsprüfung: was wirklich geprüft wird

Deutsch-Kurzhaar arbeitet im Abendlicht auf dem Feld

Du willst deinen Hund jagdlich führen – also brauchst du ihn auch „brauchbar“. Aber was heißt das eigentlich? Kaum ein Begriff wird so oft benutzt und so selten erklärt. Und weil die Brauchbarkeitsprüfung Ländersache ist, ist sie alles, nur nicht einheitlich. Hier steht, was üblicherweise geprüft wird, warum das je nach Bundesland anders aussieht – und wie ich meine eigenen Hunde darauf vorbereite.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Brauchbarkeitsprüfung (BP) ist Ländersache: Umfang, Inhalte und Anforderungen unterscheiden sich je nach Bundesland deutlich.
  • Sie soll nachweisen, dass dein Hund in der Praxis sicher und tierschutzgerecht eingesetzt werden kann – vor allem bei der Arbeit nach dem Schuss.
  • Es gibt Vollprüfungen und eingeschränkte Brauchbarkeit, etwa nur für die Nachsuche auf Schalenwild.
  • Die BP ersetzt keine Verbandsprüfung. Sie ist eine Eintrittskarte – kein Leistungsnachweis.
Inhalt dieses Artikels
  1. Was „brauchbar“ überhaupt heißt
  2. Ländersache – und genau das ist der Knackpunkt
  3. Die typischen Prüfungsfächer
  4. Wie ich vorbereite: mehr als das Mindestmaß
  5. Was die BP nicht beweist
  6. Und wenn du keinen Jagdschein hast?

Was „brauchbar“ überhaupt heißt

Für bestimmte Jagdarten – Drückjagden, Wasserjagd, die Nachsuche – ist die Verwendung eines brauchbaren Jagdhundes gesetzlich vorgeschrieben. Die Brauchbarkeitsprüfung stellt sicher, dass grundlegende Anforderungen erfüllt sind: dass der Hund in der Praxis sicher und tierschutzgerecht eingesetzt werden kann.

Das ist der ganze Zweck. Es geht nicht um Eleganz, nicht um Punktemaximierung und nicht um ein Abzeichen fürs Revierhaus. Es geht darum, dass ein krankes Stück gefunden wird und ein geschossenes Stück nicht liegen bleibt.

Ländersache – und genau das ist der Knackpunkt

Je nach Bundesland unterscheiden sich Umfang, Inhalte und Anforderungen deutlich. Es gibt Vollprüfungen und es gibt die eingeschränkte Brauchbarkeit, zum Beispiel nur für die Nachsuche auf Schalenwild. In einigen Ländern – Bayern gehört dazu – ist die BP sogar Voraussetzung dafür, dass du mit Hund zu Gesellschaftsjagden gehen darfst.

MerkeBevor du planst, trainierst oder meldest: Zieh dir die aktuelle Verordnung deines Bundeslands und die Ausschreibung des prüfenden Vereins. Nicht meinen Artikel, nicht das Forum, nicht den Kumpel am Ansitz. Die Unterschiede zwischen den Ländern sind größer, als die meisten glauben.

Die typischen Prüfungsfächer

Über die Länder hinweg tauchen im Kern immer dieselben Bereiche auf, je nach Modul und Verordnung in unterschiedlicher Ausgestaltung:

  • Schweißarbeit, mit oder ohne Riemenarbeit
  • Verlorensuche und das Bringen von Haar- oder Federwild
  • Standruhe und Schussfestigkeit
  • Gehorsam: Leinenführigkeit, Ablegen, Rückruf
  • je nach Land zusätzlich Stöbern oder Wasserarbeit
  • in manchen Prüfungsordnungen: Verweisen am Stück als Alternative zum Bringen

Bei uns stand die Brauchbarkeit selbst auf dem Programm, und zwar in dieser Form: Grundgehorsam, Standruhe bei Schussabgabe, Fährtenarbeit auf Schalenwild über 400 Meter mit 14 bis 20 Stunden Stehzeit und zwei Winkeln, Freiverlorensuche von Haar- oder Federwild, eine Haarwildschleppe über 300 Meter und eine Federwildschleppe über 150 Meter mit je zwei Winkeln, Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer und Apportieren aus dem Wasser mit Schussabgabe.

Ich habe die Prüfung im VBJ abgelegt, dem Verein brauchbarer Jagdhund. Dort werden die Prüfungen analog zu meiner Trainingsphilosophie abgehalten, ich konnte die Vorbereitung allein machen, und es können rasseunabhängig Hunde mit und ohne Papiere geprüft werden. Da Kurt österreichische Papiere hat und somit ohnehin nur Verbandsprüfungen in Österreich ablegen könnte, passte der Weg auch in dieser Hinsicht zu uns.

Deutsch-Kurzhaar arbeitet am Gewässer an der Verlorensuche
Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer – in vielen Bundesländern Teil der Brauchbarkeit.

Wie ich vorbereite: mehr als das Mindestmaß

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete – und für mich heißt das: über der Anforderung trainieren, nicht auf ihr.

Ein Beispiel. Helja wurde auf die Brauchbarkeit im Oktober vorbereitet. Für die Prüfung stand eine Fährte über 700 Meter an, 24 Stunden alt, mit fünf Winkeln. Das ist fast das Doppelte der geforderten Länge und Stehzeit. Aber warum sollte man nur das Mindestmaß erarbeiten? Den Ansatz hat sie eigenständig erarbeitet, anschließend die Fährte ruhig, spurnah und konzentriert ausgearbeitet. Im Fokus stand dabei saubere Winkelarbeit, Verweisen statt Hetzen und eine zurückgenommene Leinenführung ohne Druck oder Zug.

Genau das ist der Punkt: Am Prüfungstag zählt nicht, ob dein Hund 400 Meter kann. Sondern ob er ruhig bleibt, wenn die Bedingungen schlechter sind als geübt. Wie du Fährten- und Schleppenarbeit sauber aufbaust, habe ich separat aufgeschrieben.

Wer nur auf „bestehen“ trainiert, hat im Revier ein Problem.

Was die BP nicht beweist

„Nur ein geprüfter Hund ist jagdlich brauchbar.“ Diesen Satz hört man oft. Er ist nicht völlig falsch, aber er greift zu kurz – und als Leistungsrichterin im VBJ sehe ich beide Seiten davon regelmäßig auf derselben Prüfung.

Eine bestandene Prüfung ist eine Momentaufnahme unter definierten Bedingungen. Im Alltag zählen andere Dinge: Souveränität bei wechselnden Wildarten, Abrufbarkeit unter realem Jagddruck, sichere Führerorientierung auch bei hoher Ablenkung, Jagdverstand und strategisches Arbeiten.

Die BP ersetzt außerdem nicht die klassischen Verbandsprüfungen – HZP und VGP prüfen deutlich mehr und anderes –, wird aber in vielen Ländern anerkannt oder gefordert. Sie ist eine Eintrittskarte, mehr nicht. Draußen zählt keine Punktetabelle, sondern ob dein Hund wirklich tragfähig arbeitet.

Und wenn du keinen Jagdschein hast?

Dann ist die Brauchbarkeit für dich kein Thema – und das ist keine schlechte Nachricht. Ich höre allerdings regelmäßig, dass Kundinnen und Kunden vom örtlichen Revierpächter, einem Kumpel oder sonstwem angeboten bekommen, für ihren nicht jagdlich geführten Hund „mal eine Schweißfährte zu ziehen“ oder „den mal auf die Entenjagd mitzunehmen“. Grundsätzlich ein nobler Gedanke – aber recht sinnfrei, solange der Hund danach nie wieder im jagdlichen Einsatz stehen wird.

Warum solltest du deinen Hund anfixen, wenn du ihm ansonsten nie wieder erlauben wirst, Rehe auf dem Feld zu hetzen? Ein Hund, der nie jagdliche Erfahrung gemacht hat, ist bei entsprechender Veranlagung schon schwer genug zu hemmen. Und noch etwas: Die Ausbildung von Jagdhunden ist Jagdscheininhabern im eigenen Revier oder mit Erlaubnis des Revierinhabers vorbehalten. Ohne den zuständigen Jagdausübungsberechtigten mit solchen Materialien zu arbeiten, ist streng genommen nicht erlaubt.

Es gibt genügend Alternativen in Sachen Geruchsstoff, mit denen nicht jagdlich geführte Hunde ihrer Suchleidenschaft nachgehen können. Wenn du dabei Anleitung willst: In meiner Jagdhundeschule im Berchtesgadener Land arbeiten wir genau daran.

Fragen & Antworten

Wie lange dauert die Vorbereitung auf die Brauchbarkeitsprüfung?

Wenn Grundgehorsam, Standruhe und Bringtreue stehen, reichen für die Prüfungsfächer meist einige Monate mit regelmäßigen Trainingsfährten und Schleppen. Fehlt das Fundament, ist die Prüfung der falsche Zeitpunkt, um es aufzubauen. Rechne lieber mit einer ganzen Saison als mit sechs Wochen.

Kann ich meinen Hund ohne Papiere zur Brauchbarkeit führen?

In vielen Prüfungsordnungen ja. Der VBJ zum Beispiel prüft rasseunabhängig Hunde mit und ohne Papiere – das war einer der Gründe, warum ich dort geprüft habe. Bei den klassischen Verbandsprüfungen sieht es anders aus. Frag beim veranstaltenden Verein nach, bevor du planst.

Was ist der Unterschied zwischen Brauchbarkeit und VGP?

Die Brauchbarkeit ist ein Mindestnachweis für den praktischen Jagdbetrieb und Ländersache. Die VGP ist eine Verbandsprüfung des JGHV, deutlich umfassender und über zwei Tage angelegt. Wer die VGP besteht, erfüllt die Brauchbarkeit in der Regel weit – umgekehrt gilt das nicht.

Mein Hund arbeitet die Fährte zu schnell. Reicht das für die Brauchbarkeit?

Manchmal reicht es zum Bestehen – für den Ernstfall reicht es nicht. Ein Hund, der überläuft, hat kein Nasenproblem, sondern ein Erregungsproblem. Arbeite an der Erregungslage vor dem Anschuss und an der Ruhe am Riemen, nicht an der Geschwindigkeit auf der Fährte.

Jetzt tiefer einsteigen

Prüfungsvorbereitung ist Einzelarbeit, weil jeder Hund eine andere Baustelle hat. Im Individualurlaub arbeiten wir fünf Tage an genau deiner.

Produktkachel Individualurlaub – 5 Tage Einzeltraining für Jagdhunde im Berchtesgadener Land
Josi Schwarz mit Jagdhundewelpe

Josi Schwarz zählt zu den führenden Jagdhundeexpertinnen im DACH-Raum – Jägerin, Hundetrainerin, Leistungsrichterin im VBJ, fast 20 Jahre Erfahrung und vier eigene Jagdhunde, zu Hause im Berchtesgadener Land. In ihren Trainingsurlauben in Oberbayern und Ungarn arbeitet sie mit Jägern und Nichtjägern – mit System statt Lautstärke. Mehr über Josi →

Das könnte dich auch interessieren

← Zurück zur Blog-Übersicht

Warenkorb