Kaum ein Thema spaltet die Hundewelt so wie das Apportieren: Auf der einen Seite die Retriever-Fraktion mit Millimeter-Vorsitz, auf der anderen Jagdpraktiker mit „Bringt schon, passt schon“-Mentalität. Und dazwischen? Hunde, die einfach gerne tragen. In diesem Artikel bekommst du meinen kompletten Aufbau – vom ersten spielerischen Tragen beim Welpen bis zum zuverlässigen Apport unter Ablenkung. Ohne Zwang, aber mit klarer Struktur.
- Apport beginnt spielerisch im Welpenalter – Bringfreude vor Perfektion.
- Tauschen statt nehmen: So entsteht Bringtreue.
- Der Weg zum Wild führt übers Apportel: Dummy → Fell → Trockenwild → kalt → warm.
- Zerrspiele und Ballschleuder sabotieren deinen Apport.
Inhalt dieses Artikels
Warum du nicht zu lange warten solltest
Viele starten mit dem Apportieren erst, wenn der Hund sechs Monate oder älter ist – und wundern sich dann, wenn das Wild nicht sauber gebracht wird. Dabei beginnt ein guter Apport schon im Welpenalter: spielerisch, ohne Druck. Beim Welpen zählt nicht die saubere Übergabe, sondern nur eins – dass er gerne trägt und bringt. Ein freudiges Nachtragen mit schnellem Tausch legt den Grundstein für alles, was später kommt. Hunde, die erst spät ans Apportieren herangeführt werden, zeigen deutlich häufiger Unsicherheiten, Knautschen oder Verweigerung.
Der Einstieg: Apportieren in Rekordzeit
Apportieren ist kein Hexenwerk – wenn du es locker angehst, versteht dein Hund in kürzester Zeit, worum es geht:
1. Das richtige Dummy: klein, weich und leicht – perfekt für den Einstieg. 2. Kein Sitz, kein Bleib: erstmal geht es nur um Motivation. 3. Gemeinsam unterwegs: Lass das Dummy unauffällig fallen, während ihr zusammen geht. 4. Schnippen als Signal: Ein kurzes Schnippen lenkt die Aufmerksamkeit darauf. 5. Loben wie beim Jackpot: Sobald dein Hund Interesse zeigt oder aufnimmt – Party! 6. Tauschen statt nehmen: Beute wird immer getauscht, nie abgenommen, nicht nachgelaufen, nicht darum gestritten. So entsteht Bringtreue.
Der Aufbau in vier Schritten
So sieht der Weg dorthin in der Praxis aus – vier Schritte, die aufeinander aufbauen. Überspring keinen davon; die meisten Apport-Probleme entstehen, weil Schritt zwei übersprungen und direkt an Schritt vier gearbeitet wird.
Schritt 1: Das Aufheben – Der Moment der Belohnung
Bevor wir über weite Distanzen oder schwere Schleppen sprechen, muss die Basis stimmen. Das Aufheben eines Gegenstands muss für deinen Hund mit einem massiven Erfolgserlebnis verknüpft sein.
- Die Übung: Biete deinem Hund ein Dummy oder ein Apportel an. In dem Moment, in dem er es eigenständig und mit Interesse aufnimmt, erfolgt die Bestärkung.
- Das Ziel: Dein Hund soll lernen: „Es lohnt sich für mich, diesen Gegenstand im Fang zu haben.“
Schritt 2: Bringfreude durch Dynamik und Bewegung fördern
Sobald dein Hund den Gegenstand sicher aufnimmt, gehen wir in die Bewegung. Ein statisches „Sitz und Halt“ ist zu diesem Zeitpunkt kontraproduktiv für die Motivation.
Bewegung hilft beim Zutragen
Wenn dein Hund das Dummy aufgenommen hat, bleib nicht wie eine Säule stehen. Bewege dich rückwärts oder seitlich weg. Das nutzt den natürlichen Folgetrieb des Hundes. Er will bei dir sein – und da er die Beute gerade im Maul hat, bringt er sie automatisch mit.
Keine starren Strukturen am Anfang
Verzichte in dieser Phase auf das korrekte Vorsitzen. Es geht erst einmal nur darum, dass der Hund stolz zu dir kommt und die Beute „präsentiert“. Das stärkt die Bindung und das Vertrauen in die gemeinsame Arbeit.
Schritt 3: Das Ritual – „Warte, es folgt eine Aufgabe“
Ein Jagdhund muss lernen, seine Energie zu kanalisieren. Wenn das Zutragen klappt, führen wir ein klares Ritual ein. Damit bereiten wir den Hund mental auf die kommende Arbeit vor.
- Ruhe vor dem Sturm: Das Ritual signalisiert: „Jetzt arbeiten wir zusammen.“ Es schafft die nötige Konzentration, ohne die freudige Erwartungshaltung zu zerstören.
- Keywords für dein Training: Jagdhund Ruhe am Stück, Arbeitsbereitschaft fördern, Fichtlmeier Ritual.
Schritt 4: Von der Sicht- zur Verlorensuche
Erst wenn die Bringfreude gefestigt ist, steigern wir die Schwierigkeit. Nun muss der Hund seine Nase einsetzen, um zum Erfolg zu kommen.
- Auslegen statt Werfen: Vermeide zu viel Hetzreiz durch ständiges Werfen. Lege das Dummy lieber aus, während der Hund zuschaut (Sichtsuche) und später, ohne dass er es sieht (Verlorensuche).
- Wind nutzen: Achte beim Aufbau der Suche darauf, wie der Wind steht, damit dein Hund Erfolgserlebnisse hat und lernt, seine Nase strategisch einzusetzen.
Die wichtigsten Do’s im Aufbau
Baue schrittweise auf und belohne das freudige Aufnehmen. Arbeite mit motivierender Stimme und Gestik – das hilft auch bei unbeliebten Wildarten wie Fuchs oder Krähe. Etabliere richtungsweisende Gesten: Wo hingezeigt wird, gibt es etwas zu finden. Arbeite erst auf Sicht, bald aber auch außer Sicht – nur dort wird die Nase wirklich gefordert. Nutze unterschiedliche Gewichte und Materialien, sie schulen den sicheren Griff. Und: Die Freude am gemeinsamen Tun steht zunächst vor korrekt ausgeführten Abläufen. Vorsitzen und Halten sind die Kür – Suchen und Bringen die Pflicht.

Die größten Fehler (und warum Zwang keiner sein muss)
Zu früh über Bewegungsreiz zu arbeiten kostet Kontrolle. Zerrspiele fördern die Diskussion um Beute – das rächt sich in der Zuverlässigkeit. Nichtjäger sollten nicht mit Wild arbeiten (der Hund wird für Tabu-Gerüche „aufgemacht“), Jäger nicht zu früh auf Wild umsteigen. Und Ballwurfschleuder wie Frisbee haben mit Nasenarbeit nichts zu tun – hier erliegt der Hund nur einem Bewegungsreiz.
Gerade im jagdlichen Bereich hält sich die Überzeugung, ohne Zwang gebe es keinen zuverlässigen Apport. Meiner Ansicht nach zeugt das eher von einem Mangel an Know-how als von Kompetenz. Auch ich finde: Der jagdliche Apport muss sitzen, er ist keine Wahlveranstaltung – aber im Aufbau setze ich auf Freiwilligkeit, Kooperation und sinnvolle Verknüpfungen. Ein Hund, der versteht, warum er bringt, tut es auch unter jagdlicher Belastung zuverlässig.
„Der jagdliche Apport ist keine Wahlveranstaltung – aber Zwang zeugt von einem Mangel an Know-how, nicht von Kompetenz.“
Vom Dummy zum Wild
Der Weg zum Wild führt über das Apportel: erst Dummy, dann Fellapportel, dann Trockenwild, dann kaltes und erst zuletzt warmes Wild. So lernt dein Hund, verschiedene Strukturen sauber aufzunehmen. Wildkontakt darf früh stattfinden – aber ohne Apport: schnuppern ja, tragen erst, wenn am Dummy alles sitzt. Welches Apportel wann sinnvoll ist, liest du im Apportel-Guide.
Übrigens: Apportieren ist nicht nur für Retriever
„Meiner ist ja kein Retriever“ – der Klassiker. Fakt ist: Jeder Hund kann apportieren, ob Drahthaar, Terrier oder Dackel. Das Bringen gehört zum natürlichen Jagdverhalten – was dein Hund daraus macht, entscheidet dein Training. Apportieren ist nicht rassespezifisch, sondern beziehungsabhängig. Und es ist Gold wert im Alltag, vom Handschuh bis zum Schlüsselbund.
Beim Abgeben hängt viel daran, ob Hergeben für deinen Hund ein Verlust ist oder ein Gewinn – darum geht es im Tauschgeschäft.
Fragen & Antworten
Ab wann kann ich mit dem Apportieren anfangen?
Ab Welpenalter – spielerisch, mit schnellem Tausch und viel Freude. Struktur (Sitz, Warten, Einweisen) kommt später dazu.
Mein Hund bringt das Dummy nicht zurück – was tun?
Meist steckt ein Tauschproblem dahinter: Es wurde zu oft abgenommen, nachgelaufen oder gestritten. Zurück zum ritualisierten Tauschgeschäft – Bringen muss sich für den Hund lohnen.
Braucht ein jagdlich geführter Hund Zwangsapport?
Nein. Zuverlässigkeit entsteht über Struktur, faire Steigerung und Arbeitsfreude – nicht über körperliche Einwirkung. Durchgesetzt wird der Apport trotzdem: über Stimmung und angepassten Aufbau.
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Vom ersten freudigen Zutragen bis zum sauberen Halten: Das Webinar „Suchen und Apportieren“ zeigt den Aufbau, den ich auch im Jagdhundeurlaub verwende.
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