Dummytraining ist für viele der Einstieg in die Arbeit mit dem Jagdhund – und für viele auch der Punkt, an dem es kippt. Da fliegt das Dummy zwanzigmal über die Wiese, der Hund rast hinterher, und nach drei Wochen hast du einen Hund, der beim Anblick der Weste schon hysterisch wird. Mit Dummytraining hat das wenig zu tun. In diesem Artikel zeige ich dir, wie du Schritt für Schritt einsteigst, welche Übungen und Kommandos du wirklich brauchst und warum Dummyarbeit vor allem eins trainiert: Zusammenarbeit.
- Dummytraining ist strukturierte Such- und Apportierarbeit mit Dummys – entwickelt als Nachbildung der Jagdpraxis.
- Es trainiert Nase, Ruhe, Orientierung und Zusammenarbeit, nicht Rennen.
- Für den Einstieg brauchst du ein bis zwei leichte Dummys, eine Pfeife und ein paar klare Signale.
- Ausgelegte Dummys statt ständiger Würfe: So bleibt dein Hund im Kopf, statt im Bewegungsreiz.
Inhalt dieses Artikels
Was ist Dummytraining?
Ein Dummy ist ein Stoffbeutel, meist mit Granulat gefüllt, in Form und Gewicht grob an ein Stück Niederwild angelehnt. Im Dummytraining wird dieses Dummy ausgelegt, versteckt oder geworfen, und der Hund soll es suchen, aufnehmen und sauber zu dir bringen. Entstanden ist die Arbeit aus der Ausbildung von Retrievern für die Jagd – heute ist sie ein eigener Hundesport und für Jagdhunde in Nichtjägerhand eine der sinnvollsten Beschäftigungen überhaupt.
Wichtig ist, was dabei eigentlich trainiert wird. Dummytraining ist kein Apportieren auf Zeit. Es ist Nasenarbeit plus Kooperation: Dein Hund wartet, bis er geschickt wird, lässt sich lenken, sucht systematisch und gibt das Gefundene an dich ab. Die Bewegung ist dabei das Unwichtigste.
Ein guter Dummyhund rennt nicht los, weil etwas fliegt. Er geht los, weil du ihn schickst.
Für welche Hunde eignet sich Dummytraining?
Retriever sind die klassischen Dummyhunde, aber längst nicht die einzigen. Vorstehhunde, Spaniel, Wachtelhunde, sogar Terrier und Dackel können mit Freude am Dummy arbeiten. Bringen gehört zum jagdlichen Verhalten – was dein Hund daraus macht, entscheidet dein Training, nicht seine Rasse.
Besonders wertvoll ist Dummytraining für Jagdhunde, die nicht jagdlich geführt werden. Sie bekommen eine Aufgabe, die ihre Nase fordert und ihren Kopf auslastet, ohne dass Wild im Spiel ist. Wie Auslastung ohne Ballwurf funktioniert, habe ich im Artikel Jagdhund auslasten ohne Ballspiele beschrieben.
Was du für den Einstieg brauchst
Weniger, als die Shops dir verkaufen wollen. Für den Anfang reichen ein oder zwei Standarddummys in passender Größe – für einen kleinen Hund 250 Gramm, für die meisten mittelgroßen und großen Hunde 500 Gramm. Dazu eine Hundepfeife, mit der du später auf Distanz kommunizierst, und eine Leine.
Welches Dummy für welchen Hund passt und wann Fell- oder Wasserdummys sinnvoll werden, steht ausführlich im Apportel-Guide. Eine Weste ist nett, aber keine Voraussetzung.
Dummytraining Schritt für Schritt
Schritt 1: Freude am Tragen. Bevor es um Suche oder Distanz geht, muss dein Hund gern ein Dummy im Fang haben. Biete es an, lobe jedes Aufnehmen, geh dabei rückwärts, damit er dir folgt. Nimm nichts ab, tausche. Wie das ohne Zerren und ohne Streit klappt, steht im Aufbau des Apports.
Schritt 2: Warten lernen. Dein Hund sitzt neben dir, das Dummy wird ausgelegt, er bleibt. Erst auf dein Signal darf er los. Anfangs auf zwei Meter, dann auf zehn. Diese Übung ist das Herzstück: Sie trennt den Reiz vom Losgehen.
Schritt 3: Sichtige Suche. Dein Hund sieht, wo du das Dummy ablegst – im kurzen Gras, später im höheren. Er geht auf Signal, sucht, bringt. Lege aus, statt zu werfen. Ein Wurf löst Hetzen aus, ein ausgelegtes Dummy fordert die Nase.
Schritt 4: Verlorensuche. Jetzt legst du das Dummy aus, ohne dass dein Hund zusieht, und schickst ihn in ein Gebiet. Er muss mit der Nase arbeiten. Achte auf den Wind: Schick ihn so, dass er Witterung bekommt, damit er Erfolg hat.
Schritt 5: Lenken auf Distanz. Erst wenn Suchen und Bringen sicher sind, kommen Stopp-Pfiff und Richtungszeichen dazu. Dein Hund lernt, auf Entfernung anzuhalten, dich anzuschauen und deiner Handbewegung zu folgen.
Mach am Anfang höchstens drei bis fünf Apporte pro Einheit und hör auf, wenn es am besten läuft. Dein Hund soll mit dem Gefühl nach Hause gehen, dass er noch wollte.
Kommandos im Dummytraining
Du brauchst weniger Signale, als du denkst – aber jedes muss eindeutig sein. Ein Signal fürs Losschicken (oft der Name des Hundes oder ein Wort wie „Apport“), eines für die Suche im Nahbereich („Such“), eines fürs Ausgeben („Aus“ oder „Danke“), einen Stopp-Pfiff und einen Herankommpfiff. Dazu Handzeichen für die Richtung.
Viel wichtiger als die Wörter ist ihre Klarheit. Ein Signal, das du dreimal wiederholst, ist kein Signal mehr, sondern Hintergrundgeräusch. Das gilt für die Pfeife genauso – wie du Pfiffe sauber konditionierst, steht im Artikel über die Hundepfeife.
Übungen für Fortgeschrittene
Wenn die Grundlagen sitzen, wird es interessant. Bei der Markierung fällt das Dummy sichtbar, dein Hund merkt sich die Stelle und wird erst später geschickt. Beim Einweisen lenkst du ihn mit Stopp und Handzeichen zu einem Dummy, das er nicht gesehen hat. Bei der Steadiness-Übung fallen mehrere Dummys, und er darf nur das holen, auf das du ihn schickst. Und im Wasser kommt eine ganz neue Ebene dazu – mehr dazu im Artikel über Wasserarbeit.
All diese Übungen haben eines gemeinsam: Sie trainieren Impulskontrolle unter Reiz. Genau deshalb ist gutes Dummytraining eine hervorragende Vorbereitung auf alles, was später mit Wild zu tun hat.
Die häufigsten Fehler
Zu viele Würfe. Der Hund lernt Hetzen statt Suchen und wird mit jeder Einheit aufgedrehter.
Zerrspiele mit dem Dummy. Wer um das Dummy kämpft, bekommt einen Hund, der es nicht hergeben will. Tauschen statt nehmen – mehr dazu im Tauschgeschäft.
Zu schnell zu weit. Distanz ist die letzte Stufe, nicht die erste. Ein Hund, der auf zehn Metern nicht sauber bringt, tut es auf hundert erst recht nicht.
Dummytraining ist kein Spiel mit dem Dummy, sondern Zusammenarbeit mit Hilfe des Dummys. Das Dummy ist das Werkzeug, die Beziehung das Ziel.
Fragen & Antworten
Wie fange ich mit dem Dummytraining an?
Mit Tragefreude und Warten: Dein Hund soll gern ein Dummy aufnehmen und lernen, dass er erst auf dein Signal losgeht. Danach folgen sichtige Suche, Verlorensuche und erst zum Schluss das Lenken auf Distanz.
Ab welchem Alter kann man mit Dummytraining anfangen?
Spielerisches Tragen kannst du schon mit dem Welpen üben. Strukturiertes Dummytraining mit Warten und Suchen beginnt meist mit vier bis sechs Monaten, lange Distanzen und schwere Dummys erst, wenn der Hund ausgewachsen ist.
Welches Dummy-Gewicht für welchen Hund?
Für kleine Hunde etwa 250 Gramm, für mittelgroße und große Hunde 500 Gramm. Schwerere Dummys kommen erst später und gezielt zum Einsatz.
Wie anstrengend ist Dummytraining für den Hund?
Geistig sehr. Konzentriertes Suchen und Warten ermüdet mehr als jede Runde Ballwerfen. Zwanzig Minuten echtes Dummytraining sind für die meisten Hunde eine volle Einheit.
Ist Dummytraining nur etwas für Retriever?
Nein. Jeder Hund kann Dummyarbeit lernen. Vorstehhunde, Spaniel, Wachtelhunde und viele andere Rassen arbeiten mit großer Freude am Dummy.
Ersetzt Dummytraining die Jagd?
Nein, und das soll es auch nicht. Es ist eine sinnvolle Aufgabe für Nase und Kopf, aber kein Ersatz für echtes Wild. Warum das wichtig ist, steht im Artikel über Antijagdtraining.
Jetzt tiefer einsteigen
Vom ersten Tragen bis zur Verlorensuche: Die Webinar-Aufzeichnung „Suchen und Apportieren“ zeigt dir den Aufbau, den ich auch in meinen Trainingsurlauben verwende – zum Nachmachen in deinem Tempo.






