Zwischen VJP und HZP liegen nur wenige Monate – aber ein gewaltiger Unterschied: Die HZP prüft nicht mehr nur Anlagen, sondern erarbeitete Leistung. Apport von Federwild, die Arbeit an der lebenden Ente, Verlorensuchen – das sind Fächer, die ohne systematischen Aufbau nicht bestehbar sind. Wer im Juni anfängt, für den Oktober zu trainieren, trainiert unter Zeitdruck. Und Zeitdruck ist der schlechteste Trainer, den es gibt.
„Zeitdruck ist der schlechteste Trainer, den es gibt.“
- Die HZP prüft erarbeitete Leistung – nicht mehr nur Anlagen.
- Wasserarbeit: vier Kettenglieder, einzeln aufbauen.
- Zwang macht Apport lustlos – System macht ihn prüfungssicher.
- Deine Nervosität überträgt sich schneller als jedes Kommando.
Inhalt dieses Artikels
HZP: Fächer, Fachwerte und Punkte im Überblick
Die Herbstzuchtprüfung (HZP) prüft zwölf Fächer in zwei Gruppen: Anlagefächer, die wie bei der VJP die natürliche Veranlagung bewerten, und Abrichtefächer, die zeigen, was im Sommer erarbeitet wurde. Jedes Fach bekommt ein Prädikat, das mit der Fachwertziffer multipliziert wird. In Summe sind 235 Punkte erreichbar.
| Fach | Fachwert | höchstes Prädikat | max. Punkte |
|---|---|---|---|
| Anlagefächer | |||
| Spurarbeit | 3 | 12 | 36 |
| Nasengebrauch | 3 | 12 | 36 |
| Suche | 2 | 11 | 22 |
| Vorstehen | 2 | 11 | 22 |
| Führigkeit | 2 | 11 | 22 |
| Arbeitsfreude | 1 | 11 | 11 |
| Abrichtefächer | |||
| Stöbern mit der Ente im deckungsreichen Gewässer | 3 | 12 | 36 |
| Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer | 1 | 10 | 10 |
| Verlorensuche von Federwild | 1 | 10 | 10 |
| Haarwildschleppe | 1 | 10 | 10 |
| Art des Bringens | 1 | 10 | 10 |
| Gehorsam | 1 | 10 | 10 |
| Höchstpunktzahl der HZP | 235 | ||
Zwölf Punkte sind nur in der Spurarbeit, im Nasengebrauch und beim Stöbern mit der Ente möglich; die übrigen Anlagefächer enden bei 11. Bei den Abrichtefächern dürfen im Bereich „sehr gut“ höchstens 10 Punkte vergeben werden – elf Punkte sind ausdrücklich den Anlagefächern vorbehalten. Ohne Punkte festgestellt werden die Schussfestigkeit im Feld und am Wasser, die Art des Jagens und körperliche Mängel. Verbindlich ist immer die Prüfungsordnung des JGHV in der jeweils gültigen Fassung.
Die drei schwer gewichteten Fächer – Spurarbeit, Nasengebrauch und Stöbern mit der Ente – machen zusammen 108 der 235 Punkte aus. Das Wasser ist damit kein Nebenfach, sondern fast ein Sechstel der ganzen Prüfung.
Zulassung: wer wann antreten darf
Die Verbandszuchtprüfungsordnung ist an dieser Stelle eindeutig, und es lohnt sich, das früh zu lesen – nicht erst, wenn die Meldung ansteht.
| Punkt | Was gilt |
|---|---|
| Termin | Eine HZP darf nur im Herbst stattfinden, ab dem 1. September. |
| Alter | Hunde aus dem vorangegangenen Kalenderjahr, dazu bis zu drei Monate ältere – und Hunde aus dem laufenden Kalenderjahr. |
| VJP | Keine Voraussetzung. Üblich ist sie, verlangt wird sie nicht. |
| Führer | Höchstens zwei Hunde je Prüfung. |
| Papiere | Gültige Ahnentafel, Haftpflichtversicherung, gültiger Jagdschein (mit den Ausnahmen der Rahmenrichtlinie), Impfnachweis, Kennzeichnung per Chip oder Tätowierung. |
| Nachmeldung | Die Ergebnisse müssen bis zum 15. November beim Stammbuchamt sein. |
Der Anspruch dahinter steht in einem einzigen Satz der Ordnung: Die Ausbildung in Feld- und Wasserarbeit soll zu diesem Zeitpunkt im Wesentlichen abgeschlossen sein. Die HZP ist keine Zwischenstation – sie ist die Bestandsaufnahme nach dem ersten Ausbildungsjahr. Wo sie zwischen den anderen Prüfungen steht, zeigt die Übersicht aller Jagdhundeprüfungen.
Wann ein Hund nicht besteht
Die Punktzahl ist das eine. Das andere sind die Bedingungen, an denen eine Prüfung unabhängig von der Punktzahl endet – und die kosten mehr Hunde den Tag als schwache Leistungen.
Die Grundregel: Bestehen kann nur, wer in allen Fächern mindestens „genügend“ – also 3 Punkte – erreicht. Ein einziges Fach mit 2 Punkten reicht, egal wie gut der Rest lief. Und null Punkte gibt es automatisch, wenn der Hund in einem Fach gegen eine Mussbestimmung verstößt.
Dazu kommen die harten Ausschlüsse:
| Was | Bedeutung in der Praxis |
|---|---|
| Blinken | Der Hund findet Wild, zeigt es aber nicht an, sondern geht darüber hinweg. |
| Nichtbringen von gefundenem Wild | Er findet, bringt aber nicht – auch nicht nach mehreren Versuchen. |
| Hochgradige Knautscher, Anschneider, Totengräber | Wild wird stark gedrückt, angeschnitten oder vergraben. |
| Hand- oder wildscheue Hunde | Wesensmängel, die als Anlage bewertet werden. |
| Stark schussempfindlich oder schussscheu | Siehe die fünf Stufen unten – ab der vierten ist Schluss. |
Die Schussfestigkeit wird während der Feldarbeit mit mindestens zwei Schüssen in der Nähe des Hundes geprüft und ohne Punkte festgestellt. Die Ordnung unterscheidet fünf Stufen:
| Stufe | Was der Hund zeigt | Folge |
|---|---|---|
| schussfest | keine erkennbare Reaktion, arbeitet weiter | bestanden |
| leicht schussempfindlich | nur allgemeines Zusammenzucken | bestanden |
| schussempfindlich | sucht Deckung beim Führer, arbeitet binnen etwa einer Minute weiter | bestanden |
| stark schussempfindlich | arbeitet erst nach über einer Minute weiter, Suche wird enger und langsamer | nicht bestanden |
| schussscheu | flüchtet vom Führer weg | nicht bestanden |
Zwischen „schussempfindlich“ (bestanden) und „stark schussempfindlich“ (nicht bestanden) liegt in der Ordnung eine einzige Minute. Wer beim Schuss unsicher ist, sollte daran im Sommer arbeiten – nicht im September hoffen.
Die Wasserarbeit: was genau verlangt wird
Am Wasser fällt bei der HZP die Entscheidung, weil dort mit „Stöbern mit der Ente im deckungsreichen Gewässer“ das am dritthöchsten gewichtete Fach der ganzen Prüfung liegt – Fachwert 3, und eines von nur drei Fächern, in denen überhaupt zwölf Punkte möglich sind.
Bevor es dazu kommt, ist eine Hürde zu nehmen: Die Arbeit im deckungsreichen Gewässer wird erst zugelassen, wenn der Hund vorher am Wasser schussfest war und eine tote Ente sicher aus der Deckung gebracht hat. Wer daran scheitert, kommt zu den bewerteten Wasserfächern gar nicht erst.
| Fach | Fachwert | Was verlangt wird |
|---|---|---|
| Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer | 1 | Der Hund sucht und bringt eine tote Ente aus der Deckung. |
| Stöbern mit der Ente im deckungsreichen Gewässer | 3 | Der Hund sucht selbstständig, macht die Ente hoch; Führer oder Richter schießen, der Hund bringt. |
| Art des Bringens | 1 | Wird über alle drei Bringobjekte gemittelt: Hase, Ente und Federwild. |
Die Ordnung macht auch zur Ente selbst Vorgaben: eine ausgewachsene Stockente, flugunfähig nach der Müller’schen Methode, und je Ente wird höchstens 15 Minuten geprüft. Wie mit lebenden Enten im Einzelnen verfahren werden darf, regeln die Bundesländer zusätzlich unterschiedlich – frag im Zweifel beim ausrichtenden Verein nach, wie die Prüfung bei euch konkret abläuft.
Wenn du an der Wasserarbeit gezielt arbeiten willst, findest du den Aufbau in Wasserarbeit mit dem Jagdhund aufbauen.
Die Kernfächer und ihre Stolpersteine
Wasserarbeit: Für viele Gespanne das Angstfach. Die Kette „Ente sehen – einspringen – suchen – bringen“ besteht aus vier einzeln aufzubauenden Gliedern. Der häufigste Fehler: Man übt „Wasser“ als Ganzes, statt jedes Glied einzeln zu festigen. Ein Hund, der nicht freudig und sicher apportiert, wird es im kalten Oktoberwasser mit lebender Ente erst recht nicht tun.
Apport (Feder- und Haarwild): Zwang ist der traditionelle Weg – und der Grund, warum so viele Hunde lustlos oder maulklemmend bringen. Ein über Motivation und System aufgebauter Apport ist stabiler, schneller und prüfungssicherer. Genau das ist der Ansatz aus unserem Webinar „Suchen und Apportieren“.
Feldarbeit & Nase: Aufbauend auf der VJP – jetzt mit höherem Anspruch an Ausdauer, Planmäßigkeit und Gehorsam unter Reiz.
Schleppen (Feder-/Haarwild): Reine Systemarbeit: Spur legen, Aufbau kleinschrittig, Distanz und Alter der Schleppe langsam steigern. Wer hier durchfällt, hat fast immer Schritte übersprungen.

Der Fahrplan (ab Frühjahr)
April–Mai: Apportaufbau abschließen – erst Dummys, dann kaltes Wild. Wasser positiv aufbauen, getrennt vom Apport. Juni–Juli: Schleppenarbeit systematisch steigern, Wasserapport zusammenführen, erste Entenarbeit. August–September: alles unter Prüfungsbedingungen zusammenbringen – fremdes Gelände, Richter-Situationen, Warteruhe. Oktober: Feinschliff, keine Baustellen mehr öffnen.
Der unterschätzte Faktor: dein Zustand
Auf der HZP fällt mehr Nervosität vom Führer auf den Hund als umgekehrt. Ein klarer Plan für den Prüfungstag – was du wann tust, wie du dich zwischen den Fächern verhältst, wie du deinen Hund in Ruhephasen bringst – ist ein eigenes Trainingsthema. Wir bauen das in der Vorbereitung bewusst mit auf.
Fragen & Antworten
Kann ich die HZP ohne VJP führen?
Ja, die HZP setzt keine bestandene VJP voraus – für die Zuchtzulassung zählen je nach Verein aber beide.
Wie viel Zeit muss ich pro Woche einplanen?
Realistisch: 4–5 kurze Einheiten plus ein längerer Revier-/Wassertag. Qualität schlägt Dauer.
Mein Hund verweigert die Ente – was nun?
Fast immer ein Aufbauproblem, kein „Charakterproblem“: zurück zum letzten sicheren Schritt, Wasserfreude und Apport getrennt festigen, dann neu verketten.
Wasser- und Feldarbeit kompakt unter Praxisbedingungen:
Wann findet die HZP statt?
Im Herbst, frühestens ab dem 1. September – das schreibt die Verbandszuchtprüfungsordnung so vor. Die Ergebnisse müssen bis zum 15. November beim Stammbuchamt sein. Die konkreten Termine legen die ausrichtenden Vereine fest, Meldeschluss ist meist deutlich früher.
Wie viele Punkte braucht mein Hund, um die HZP zu bestehen?
Es gibt keine Mindestgesamtpunktzahl, sondern eine Bedingung pro Fach: Der Hund muss in jedem Fach mindestens „genügend“ – also 3 Punkte – erreichen. Ein einziges Fach mit 2 Punkten bedeutet nicht bestanden, unabhängig vom Rest. Erreichbar sind insgesamt 235 Punkte.
Wie alt darf mein Hund für die HZP sein?
Zugelassen sind Hunde aus dem vorangegangenen Kalenderjahr sowie bis zu drei Monate ältere – und Hunde aus dem laufenden Kalenderjahr. Praktisch heißt das: Die HZP ist die Prüfung des ersten Herbstes nach dem ersten Ausbildungsjahr.
Was passiert, wenn mein Hund schussempfindlich ist?
Die Ordnung unterscheidet fünf Stufen. Schussfest, leicht schussempfindlich und schussempfindlich sind mit dem Bestehen vereinbar – bei „schussempfindlich“ arbeitet der Hund binnen etwa einer Minute weiter. Stark schussempfindliche und schussscheue Hunde können die Prüfung nicht bestehen. Der Unterschied liegt damit an einer einzigen Minute.
Jetzt tiefer einsteigen
Für die Arbeit nach dem Schuss brauchst du Apport und Wasserarbeit – beides sauber aufgebaut. Das Webinar liefert die Systematik, das Seminar in Ungarn das Gelände.
→ Wasser-/Wasserapportseminar · → Teil 1: VJP-Vorbereitung · → Erstgespräch






