HZP-Vorbereitung: So kommt dein Hund sicher durch die Herbstzuchtprüfung

Jagdhund apportiert Ente

Zwischen VJP und HZP liegen nur wenige Monate – aber ein gewaltiger Unterschied: Die HZP prüft nicht mehr nur Anlagen, sondern erarbeitete Leistung. Apport von Federwild, die Arbeit an der lebenden Ente, Verlorensuchen – das sind Fächer, die ohne systematischen Aufbau nicht bestehbar sind. Wer im Juni anfängt, für den Oktober zu trainieren, trainiert unter Zeitdruck. Und Zeitdruck ist der schlechteste Trainer, den es gibt.

„Zeitdruck ist der schlechteste Trainer, den es gibt.“

Das Wichtigste in Kürze

  • Die HZP prüft erarbeitete Leistung – nicht mehr nur Anlagen.
  • Wasserarbeit: vier Kettenglieder, einzeln aufbauen.
  • Zwang macht Apport lustlos – System macht ihn prüfungssicher.
  • Deine Nervosität überträgt sich schneller als jedes Kommando.
Inhalt dieses Artikels
  1. HZP: Fächer, Fachwerte und Punkte
  2. Zulassung: wer wann antreten darf
  3. Wann ein Hund nicht besteht
  4. Die Wasserarbeit: was genau verlangt wird
  5. Die Kernfächer und ihre Stolpersteine
  6. Der Fahrplan ab Frühjahr
  7. Der unterschätzte Faktor: dein Zustand

HZP: Fächer, Fachwerte und Punkte im Überblick

Die Herbstzuchtprüfung (HZP) prüft zwölf Fächer in zwei Gruppen: Anlagefächer, die wie bei der VJP die natürliche Veranlagung bewerten, und Abrichtefächer, die zeigen, was im Sommer erarbeitet wurde. Jedes Fach bekommt ein Prädikat, das mit der Fachwertziffer multipliziert wird. In Summe sind 235 Punkte erreichbar.

Fächer und Fachwertziffern der HZP nach der Verbandszuchtprüfungsordnung des JGHV
FachFachwerthöchstes Prädikatmax. Punkte
Anlagefächer
Spurarbeit31236
Nasengebrauch31236
Suche21122
Vorstehen21122
Führigkeit21122
Arbeitsfreude11111
Abrichtefächer
Stöbern mit der Ente im deckungsreichen Gewässer31236
Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer11010
Verlorensuche von Federwild11010
Haarwildschleppe11010
Art des Bringens11010
Gehorsam11010
Höchstpunktzahl der HZP235

Zwölf Punkte sind nur in der Spurarbeit, im Nasengebrauch und beim Stöbern mit der Ente möglich; die übrigen Anlagefächer enden bei 11. Bei den Abrichtefächern dürfen im Bereich „sehr gut“ höchstens 10 Punkte vergeben werden – elf Punkte sind ausdrücklich den Anlagefächern vorbehalten. Ohne Punkte festgestellt werden die Schussfestigkeit im Feld und am Wasser, die Art des Jagens und körperliche Mängel. Verbindlich ist immer die Prüfungsordnung des JGHV in der jeweils gültigen Fassung.

Merke

Die drei schwer gewichteten Fächer – Spurarbeit, Nasengebrauch und Stöbern mit der Ente – machen zusammen 108 der 235 Punkte aus. Das Wasser ist damit kein Nebenfach, sondern fast ein Sechstel der ganzen Prüfung.

Zulassung: wer wann antreten darf

Die Verbandszuchtprüfungsordnung ist an dieser Stelle eindeutig, und es lohnt sich, das früh zu lesen – nicht erst, wenn die Meldung ansteht.

Zulassung zur HZP nach der Verbandszuchtprüfungsordnung
PunktWas gilt
TerminEine HZP darf nur im Herbst stattfinden, ab dem 1. September.
AlterHunde aus dem vorangegangenen Kalenderjahr, dazu bis zu drei Monate ältere – und Hunde aus dem laufenden Kalenderjahr.
VJPKeine Voraussetzung. Üblich ist sie, verlangt wird sie nicht.
FührerHöchstens zwei Hunde je Prüfung.
PapiereGültige Ahnentafel, Haftpflichtversicherung, gültiger Jagdschein (mit den Ausnahmen der Rahmenrichtlinie), Impfnachweis, Kennzeichnung per Chip oder Tätowierung.
NachmeldungDie Ergebnisse müssen bis zum 15. November beim Stammbuchamt sein.

Der Anspruch dahinter steht in einem einzigen Satz der Ordnung: Die Ausbildung in Feld- und Wasserarbeit soll zu diesem Zeitpunkt im Wesentlichen abgeschlossen sein. Die HZP ist keine Zwischenstation – sie ist die Bestandsaufnahme nach dem ersten Ausbildungsjahr. Wo sie zwischen den anderen Prüfungen steht, zeigt die Übersicht aller Jagdhundeprüfungen.

Wann ein Hund nicht besteht

Die Punktzahl ist das eine. Das andere sind die Bedingungen, an denen eine Prüfung unabhängig von der Punktzahl endet – und die kosten mehr Hunde den Tag als schwache Leistungen.

Die Grundregel: Bestehen kann nur, wer in allen Fächern mindestens „genügend“ – also 3 Punkte – erreicht. Ein einziges Fach mit 2 Punkten reicht, egal wie gut der Rest lief. Und null Punkte gibt es automatisch, wenn der Hund in einem Fach gegen eine Mussbestimmung verstößt.

Dazu kommen die harten Ausschlüsse:

Gründe für ein Nichtbestehen
WasBedeutung in der Praxis
BlinkenDer Hund findet Wild, zeigt es aber nicht an, sondern geht darüber hinweg.
Nichtbringen von gefundenem WildEr findet, bringt aber nicht – auch nicht nach mehreren Versuchen.
Hochgradige Knautscher, Anschneider, TotengräberWild wird stark gedrückt, angeschnitten oder vergraben.
Hand- oder wildscheue HundeWesensmängel, die als Anlage bewertet werden.
Stark schussempfindlich oder schussscheuSiehe die fünf Stufen unten – ab der vierten ist Schluss.

Die Schussfestigkeit wird während der Feldarbeit mit mindestens zwei Schüssen in der Nähe des Hundes geprüft und ohne Punkte festgestellt. Die Ordnung unterscheidet fünf Stufen:

Die fünf Stufen der Schussfestigkeit
StufeWas der Hund zeigtFolge
schussfestkeine erkennbare Reaktion, arbeitet weiterbestanden
leicht schussempfindlichnur allgemeines Zusammenzuckenbestanden
schussempfindlichsucht Deckung beim Führer, arbeitet binnen etwa einer Minute weiterbestanden
stark schussempfindlicharbeitet erst nach über einer Minute weiter, Suche wird enger und langsamernicht bestanden
schussscheuflüchtet vom Führer wegnicht bestanden
Merke

Zwischen „schussempfindlich“ (bestanden) und „stark schussempfindlich“ (nicht bestanden) liegt in der Ordnung eine einzige Minute. Wer beim Schuss unsicher ist, sollte daran im Sommer arbeiten – nicht im September hoffen.

Die Wasserarbeit: was genau verlangt wird

Am Wasser fällt bei der HZP die Entscheidung, weil dort mit „Stöbern mit der Ente im deckungsreichen Gewässer“ das am dritthöchsten gewichtete Fach der ganzen Prüfung liegt – Fachwert 3, und eines von nur drei Fächern, in denen überhaupt zwölf Punkte möglich sind.

Bevor es dazu kommt, ist eine Hürde zu nehmen: Die Arbeit im deckungsreichen Gewässer wird erst zugelassen, wenn der Hund vorher am Wasser schussfest war und eine tote Ente sicher aus der Deckung gebracht hat. Wer daran scheitert, kommt zu den bewerteten Wasserfächern gar nicht erst.

Die Fächer der Wasserarbeit
FachFachwertWas verlangt wird
Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer1Der Hund sucht und bringt eine tote Ente aus der Deckung.
Stöbern mit der Ente im deckungsreichen Gewässer3Der Hund sucht selbstständig, macht die Ente hoch; Führer oder Richter schießen, der Hund bringt.
Art des Bringens1Wird über alle drei Bringobjekte gemittelt: Hase, Ente und Federwild.

Die Ordnung macht auch zur Ente selbst Vorgaben: eine ausgewachsene Stockente, flugunfähig nach der Müller’schen Methode, und je Ente wird höchstens 15 Minuten geprüft. Wie mit lebenden Enten im Einzelnen verfahren werden darf, regeln die Bundesländer zusätzlich unterschiedlich – frag im Zweifel beim ausrichtenden Verein nach, wie die Prüfung bei euch konkret abläuft.

Wenn du an der Wasserarbeit gezielt arbeiten willst, findest du den Aufbau in Wasserarbeit mit dem Jagdhund aufbauen.

Die Kernfächer und ihre Stolpersteine

Wasserarbeit: Für viele Gespanne das Angstfach. Die Kette „Ente sehen – einspringen – suchen – bringen“ besteht aus vier einzeln aufzubauenden Gliedern. Der häufigste Fehler: Man übt „Wasser“ als Ganzes, statt jedes Glied einzeln zu festigen. Ein Hund, der nicht freudig und sicher apportiert, wird es im kalten Oktoberwasser mit lebender Ente erst recht nicht tun.

Apport (Feder- und Haarwild): Zwang ist der traditionelle Weg – und der Grund, warum so viele Hunde lustlos oder maulklemmend bringen. Ein über Motivation und System aufgebauter Apport ist stabiler, schneller und prüfungssicherer. Genau das ist der Ansatz aus unserem Webinar „Suchen und Apportieren“.

Feldarbeit & Nase: Aufbauend auf der VJP – jetzt mit höherem Anspruch an Ausdauer, Planmäßigkeit und Gehorsam unter Reiz.

Schleppen (Feder-/Haarwild): Reine Systemarbeit: Spur legen, Aufbau kleinschrittig, Distanz und Alter der Schleppe langsam steigern. Wer hier durchfällt, hat fast immer Schritte übersprungen.

Jagdhund apportiert einen Stock aus dem Wasser
Wasserfreude entsteht getrennt vom Apport – zusammengeführt wird erst, wenn beides sitzt.

Der Fahrplan (ab Frühjahr)

April–Mai: Apportaufbau abschließen – erst Dummys, dann kaltes Wild. Wasser positiv aufbauen, getrennt vom Apport. Juni–Juli: Schleppenarbeit systematisch steigern, Wasserapport zusammenführen, erste Entenarbeit. August–September: alles unter Prüfungsbedingungen zusammenbringen – fremdes Gelände, Richter-Situationen, Warteruhe. Oktober: Feinschliff, keine Baustellen mehr öffnen.

Der unterschätzte Faktor: dein Zustand

Auf der HZP fällt mehr Nervosität vom Führer auf den Hund als umgekehrt. Ein klarer Plan für den Prüfungstag – was du wann tust, wie du dich zwischen den Fächern verhältst, wie du deinen Hund in Ruhephasen bringst – ist ein eigenes Trainingsthema. Wir bauen das in der Vorbereitung bewusst mit auf.

Praxis-TippPlane den Prüfungstag wie ein drittes Fach: Was tust du zwischen den Fächern, wie bringst du deinen Hund in Ruhephasen?

Fragen & Antworten

Kann ich die HZP ohne VJP führen?

Ja, die HZP setzt keine bestandene VJP voraus – für die Zuchtzulassung zählen je nach Verein aber beide.

Wie viel Zeit muss ich pro Woche einplanen?

Realistisch: 4–5 kurze Einheiten plus ein längerer Revier-/Wassertag. Qualität schlägt Dauer.

Mein Hund verweigert die Ente – was nun?

Fast immer ein Aufbauproblem, kein „Charakterproblem“: zurück zum letzten sicheren Schritt, Wasserfreude und Apport getrennt festigen, dann neu verketten.

Wasser- und Feldarbeit kompakt unter Praxisbedingungen:

Wann findet die HZP statt?

Im Herbst, frühestens ab dem 1. September – das schreibt die Verbandszuchtprüfungsordnung so vor. Die Ergebnisse müssen bis zum 15. November beim Stammbuchamt sein. Die konkreten Termine legen die ausrichtenden Vereine fest, Meldeschluss ist meist deutlich früher.

Wie viele Punkte braucht mein Hund, um die HZP zu bestehen?

Es gibt keine Mindestgesamtpunktzahl, sondern eine Bedingung pro Fach: Der Hund muss in jedem Fach mindestens „genügend“ – also 3 Punkte – erreichen. Ein einziges Fach mit 2 Punkten bedeutet nicht bestanden, unabhängig vom Rest. Erreichbar sind insgesamt 235 Punkte.

Wie alt darf mein Hund für die HZP sein?

Zugelassen sind Hunde aus dem vorangegangenen Kalenderjahr sowie bis zu drei Monate ältere – und Hunde aus dem laufenden Kalenderjahr. Praktisch heißt das: Die HZP ist die Prüfung des ersten Herbstes nach dem ersten Ausbildungsjahr.

Was passiert, wenn mein Hund schussempfindlich ist?

Die Ordnung unterscheidet fünf Stufen. Schussfest, leicht schussempfindlich und schussempfindlich sind mit dem Bestehen vereinbar – bei „schussempfindlich“ arbeitet der Hund binnen etwa einer Minute weiter. Stark schussempfindliche und schussscheue Hunde können die Prüfung nicht bestehen. Der Unterschied liegt damit an einer einzigen Minute.

Jetzt tiefer einsteigen

Für die Arbeit nach dem Schuss brauchst du Apport und Wasserarbeit – beides sauber aufgebaut. Das Webinar liefert die Systematik, das Seminar in Ungarn das Gelände.

Produktkachel Feld- und Wasserseminar in Ungarn

→ Wasser-/Wasserapportseminar · → Teil 1: VJP-Vorbereitung · → Erstgespräch

Josi Schwarz mit Jagdhundewelpe

Josi Schwarz zählt zu den führenden Jagdhundeexpertinnen im DACH-Raum – Jägerin, Hundetrainerin, Leistungsrichterin im VBJ, fast 20 Jahre Erfahrung und vier eigene Jagdhunde, zu Hause im Berchtesgadener Land. In ihren Trainingsurlauben in Oberbayern und Ungarn arbeitet sie mit Jägern und Nichtjägern – mit System statt Lautstärke. Mehr über Josi →

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