Nach der VGP hört es nicht auf. Wer in Ahnentafeln liest oder auf Prüfungstagen zuhört, stolpert über Kürzel, die in keiner Übersicht für Einsteiger auftauchen: KS, Hegewald, IKP, AZP, AH, Btr, LN. Die meisten Listen im Netz schreiben sie aus und hören dann auf.
Das hilft wenig. Denn die eigentliche Frage ist, was hinter dem Kürzel steckt: Wer vergibt es, wofür, und was sagt es über den Hund aus, der damit geführt wird.
Inhalt dieses Artikels
Drei verschiedene Logiken
Alles, was hinter der VGP kommt, folgt einer von drei Ideen, und sie werden regelmäßig verwechselt.
Die eine ist Auslese. Hier geht es darum, aus den Hunden, die bereits alles bestanden haben, die besten herauszufiltern – als Grundlage für die Zucht. Diese Prüfungen sind selten, oft nur alle ein bis zwei Jahre, sie sind international besetzt, und die Zulassung ist der eigentliche Filter. Kleemann, Hegewald und IKP gehören hierher.
Die andere ist Vertiefung. Hier wird ein einzelnes Fach in einer Tiefe geprüft, die in der VGP keinen Platz hat. Die Verbands-Schweißprüfung ist das deutlichste Beispiel: In der VGP ist die Waldarbeit ein Teil von vielen, bei der VSwP ist sie alles. Diese Prüfungen sagen nichts über den Gesamthund. Sie sagen etwas über eine einzelne Fähigkeit.
Die dritte ist gar keine Prüfung. Leistungszeichen wie das Armbruster-Haltabzeichen oder der Lautjägernachweis werden nicht auf einer eigenen Veranstaltung vergeben. Man erwirbt sie im Rahmen einer anderen Prüfung, wenn der Hund dort zusätzlich zeigt, was das Zeichen verlangt. Das ist der Grund, warum sie in Tabellen zwischen den Prüfungen stehen und trotzdem etwas völlig anderes sind.
Ausleseprüfungen beantworten die Frage, ob ein Hund in die Zucht soll. Spezialprüfungen beantworten die Frage, wofür er im Revier taugt. Leistungszeichen halten fest, was er nebenbei gezeigt hat. Ein Hund kann bei der einen glänzen und bei der anderen durchfallen.
Die Zuchtauslese: Kleemann, Hegewald, IKP
Die Dr.-Kleemann-Zuchtausleseprüfung ist die Spitze im Deutsch-Kurzhaar. Sie ist nach Dr. Paul Kleemann benannt, findet alle zwei Jahre in den geraden Jahren statt und kennt nur bestanden oder nicht bestanden, ohne Punkteranking. Wer besteht, führt das Kürzel KS für Kurzhaar-Sieger. In der Szene gilt sie als Weltmeisterschaft der Rasse.
Der eigentliche Filter liegt vor der Prüfung. Zugelassen wird nur, wer die Kette davor sauber abgeliefert hat, mit ersten Preisen aus Derby, Solms und AZP. Wer dort einen Ausrutscher hatte, steht gar nicht erst am Start.
Die Internationale Hegewaldprüfung ist das Gegenstück beim Deutsch-Drahthaar, ausgerichtet vom Verein Deutsch-Drahthaar. Sie läuft jährlich im Oktober, wandert durch die Landesgruppen und prüft Feld, Wasser und Formwert an mehreren Tagen. 2025 war es die neunzigste Auflage.
Wie streng sie ist, sagen die Zahlen dieses Jahrgangs besser als jede Beschreibung: 198 Gespanne gemeldet, 187 angetreten, 144 bestanden. Rund ein Viertel derer, die überhaupt dort ankommen, geht ohne Ergebnis nach Hause – und dorthin kommt nur, wer sich vorher qualifiziert hat.
Die IKP, die Internationale Kurzhaarprüfung, ergänzt die Kleemann im Zweijahresrhythmus der ungeraden Jahre und wird europaweit ausgetragen. Sie ist die internationale Feld- und Wasserprüfung für durchgearbeitete Hunde.
Die AZP: die zweite Chance
Die Alterszuchtprüfung ist die unauffälligste von allen und in der Praxis eine der wichtigsten. Sie ist für Hunde gedacht, die ihre Herbstzuchtprüfung verpasst haben – weil die Hündin läufig war, weil eine Verletzung dazwischenkam, weil das Leben dazwischenkam.
Inhaltlich ähnelt sie der Solms beziehungsweise der HZP, verlangt aber mehr Gehorsam, weil der Hund älter ist und mehr können muss. Angeboten wird sie von mehreren Vereinen.
Praktisch heißt das: Ein verpasster Herbst ist kein verlorenes Jahr. Wer das nicht weiß, schreibt einen Hund unnötig ab.
Die Spezialisten
Diese Prüfungen haben keinen festen Platz in einer Reihenfolge. Sie kommen dann, wenn feststeht, wofür ein Hund tatsächlich eingesetzt wird.
| Kürzel | Wofür es steht | Was dahintersteckt |
|---|---|---|
| VSwP | Verbands-Schweißprüfung | Nachsuche in der Tiefe, auf der 20- oder 40-Stunden-Fährte |
| VFSP | Verbands-Fährtenschuhprüfung | Fährtenarbeit mit dem Fährtenschuh statt mit Schweiß |
| VPS | Verbandsprüfung nach dem Schuss | Alles, was nach dem Schuss passiert, ohne die Feldarbeit davor |
| Btr | Bringtreueprüfung | Der Hund bringt den Fuchs selbstständig und vollständig |
| VStP | Verbands-Stöberprüfung | Selbstständiges Arbeiten in der Dickung, mit Rückkehr |
Zu allen diesen Prüfungen fährt man hin, meldet sich an und tritt an. Das unterscheidet sie von der dritten Gruppe.
Leistungszeichen: was man nebenbei erwirbt
Hierhin gehört das Armbruster-Haltabzeichen, und es ist das, was mich im ganzen Kanon am meisten interessiert. Es wird im Rahmen einer Verbandsprüfung vergeben, etwa während einer VJP. Eine eigene Veranstaltung dafür gibt es nicht.
Die Bedingung ist bemerkenswert genau formuliert. Der Hund muss bei jedem Hasen gehorchen, den er in der freien Feldsuche sichtig bekommt – vorausgesetzt, er befindet sich im Einwirkungsbereich seines Führers. Zusätzlich muss er die Spurarbeit am Hasen mindestens mit „gut“ zeigen.
Lies das noch einmal. Es wird nicht verlangt, dass der Hund den Hasen ignoriert. Es wird verlangt, dass er ihn sieht, dass er ihn spannend findet, dass er ihn auf der Spur sauber arbeitet – und dass er trotzdem ansprechbar bleibt, solange du ihn erreichst. Wer auf der Spurarbeit gedrückt wird, verliert das Zeichen genauso wie der, dessen Hund losstürmt.
Und noch ein Detail, das viel über den Geist der Sache sagt: Ein Hund, der einen Hasen während der Spurarbeit hochmacht und ihm sichtig nachgeht, verstößt damit nicht gegen die Bedingung. Passion wird hier nicht bestraft. Kontrollierbarkeit wird belohnt.
Genau das ist auch der Grund, warum sich das AH mit Dressur nicht erreichen lässt. Wie diese Art von Ansprechbarkeit aufgebaut wird, steht im Artikel über Impulskontrolle beim Jagdhund und in dem über den Verhaltensabbruch.
Der Lautjägernachweis funktioniert nach demselben Prinzip: Er hält fest, dass ein Hund Spurlaut oder lautes Stöbern gezeigt hat, erworben im Rahmen einer Prüfung, auf der das ohnehin zu sehen war.
Was ein Leistungszeichen aussagt – und was nicht
Ein Leistungszeichen ist ein Beleg dafür, dass ein Hund an einem bestimmten Tag unter definierten Bedingungen eine bestimmte Leistung gezeigt hat. Mehr ist es nicht, und weniger auch nicht.
Als Leistungsrichterin sehe ich beide Enden. Hunde mit einer Ahnentafel voller Kürzel, die im Revier zäh sind, weil zwischen Prüfung und Praxis ein Unterschied liegt. Und Hunde ohne ein einziges Zeichen, auf die sich ein ganzer Nachsuchenverbund verlässt.
Nützlich sind die Zeichen trotzdem, und zwar an zwei Stellen. In der Zucht, weil sie das Einzige sind, was sich über Generationen vergleichen lässt. Und beim Welpenkauf, weil sie dir sagen, was in einer Linie gearbeitet wurde – ob dort Nachsuche stattfindet, ob laut gejagt wird, ob Wasser eine Rolle spielt. Das ist eine bessere Auskunft über den Welpen in deinem Arm als jedes Gespräch über Charakter.
Worauf du beim Blick in eine Ahnentafel achten solltest, steht unter Welcher Jagdhund passt zu mir. Die Grundlagen zu den Prüfungen selbst findest du in der Übersicht der Jagdhundeprüfungen.
Fragen & Antworten
Ist das Armbruster-Haltabzeichen eine eigene Prüfung?
Nein. Es ist ein Leistungszeichen des JGHV und wird im Rahmen einer Verbandsprüfung vergeben, etwa während einer VJP. Anmelden kannst du dich dafür nicht. Dein Hund erfüllt die Bedingung während einer Prüfung, zu der du ohnehin antrittst. Dasselbe gilt für den Lautjägernachweis.
Braucht mein Hund eine dieser Prüfungen?
Für die jagdliche Praxis reicht in aller Regel die Brauchbarkeit, für den Gebrauchshund die VGP. Alles darüber ist eine Entscheidung für die Zucht oder für ein bestimmtes Fach. Wenn du weder züchtest noch dich spezialisieren willst, brauchst du nichts davon – und dein Hund ist deswegen kein schlechterer Hund.
Was bedeutet KS bei einem Deutsch-Kurzhaar?
Kurzhaar-Sieger. Der Hund hat die Dr.-Kleemann-Zuchtausleseprüfung bestanden, die alle zwei Jahre stattfindet und nur bestanden oder nicht bestanden kennt. Zugelassen wird dort nur, wer bereits erste Preise aus Derby, Solms und AZP mitbringt. Ein KS in einer Ahnentafel ist deshalb auch eine Aussage über die Hunde davor.
Meine Hündin war zur HZP läufig. Ist das Jahr verloren?
Nein. Genau dafür gibt es die Alterszuchtprüfung. Sie deckt inhaltlich ab, was die Herbstzuchtprüfung prüft, verlangt dem älteren Hund aber mehr Gehorsam ab. Erkundige dich bei deinem Zuchtverein nach den Terminen – die Prüfung wird nicht überall gleich häufig angeboten.
Ist die Hegewaldprüfung schwerer als die VGP?
Sie ist etwas anderes. Die VGP prüft, ob ein Hund fertig ausgebildet ist. Die Hegewald prüft unter internationalem Feld, im Wasser und im Formwert, wer aus der Menge der fertigen Hunde herausragt. Von 187 angetretenen Gespannen bestanden 2025 144 – das ist eine hohe Quote für eine Ausleseprüfung, sagt aber vor allem etwas darüber, wie gut vorbereitet dort angetreten wird.
Kann ich diese Prüfungen ohne Jagdschein führen?
Bei den Zucht- und Ausleseprüfungen wird es schwierig, weil sie an Zuchtvereine und jagdliche Bedingungen gebunden sind und die Ordnungen der Verbände gelten. Was für Nichtjäger tatsächlich offensteht, habe ich unter Jagdhund ohne Jagdschein aufgeschrieben.
Mehr dazu, warum Ansprechbarkeit und Passion zusammengehören, unter Armbruster-Haltabzeichen.
Jetzt tiefer einsteigen
Wenn du auf eine dieser Prüfungen hinarbeitest: In meiner Jagdhundeschule in Bayern und bei den Seminaren in Ungarn arbeiten wir fünf Tage am Stück an genau den Fächern, die zu Hause nicht zu üben sind.





