„Der Hund hat doch eine super Nase – der findet das Stück schon!“ So einfach ist es leider nicht. Eine gute Nase allein reicht nicht, wenn der Hund nicht gelernt hat, eine Wundfährte gezielt und sauber auszuarbeiten. Schweißarbeit ist Präzisionsarbeit. Und wer glaubt, ein Hund wisse von selbst, was zu tun ist, verlässt sich auf Zufall statt auf Ausbildung.
- Ohne Training kein verlässlicher Nachsuchenhund – eine gute Nase ist die Voraussetzung, nicht die Leistung.
- Ich arbeite bewusst nicht mit Schweiß, Würstchenwasser oder Futtergeruch, um die Nase runterzubringen: Das spricht den Instinkt an, nicht die Aufgabe.
- Spurreinheit heißt, dass der Hund genau diese eine Fährte arbeitet – und wird in der Ausbildung ständig torpediert.
- Tempo ist der Feind der Spurtreue. Lieber 50 Meter präzise als 300 Meter Chaos.
Inhalt dieses Artikels
- Der Mythos vom selbsterklärenden Hund
- Warum ich nicht mit Schweiß und Würstchenwasser arbeite
- Spurreinheit ist kein Wunschdenken
- Fünf Hebel für mehr Spurtreue
- Schweißfährte legen – Schritt für Schritt
- Verweisen: Totverbeller, Totverweiser, Bringselverweis
- Die Verbandsschweißprüfung – der Härtetest
- Alle Artikel zur Schweißarbeit im Überblick
Der Mythos vom selbsterklärenden Hund
Als Leistungsrichterin im VBJ habe ich viele vermeintlich fertige Hunde gesehen, die auf der Fährte auseinandergefallen sind. Nicht, weil die Nase fehlte. Sondern weil niemand ihnen beigebracht hat, sie gezielt einzusetzen.
Was schiefgeht, ist meistens eines von diesen Dingen:
- Ein Hund, der nicht gelernt hat, an einer Fährte zu bleiben, verliert sich schnell in Gesundspuren.
- Wer nur mit frischen Spuren arbeitet, verhindert, dass der Hund lernt, schwierige und ältere Fährten auszuarbeiten. Alte Wundfährten sind entscheidend.
- Einfach „machen lassen“ ist keine Methode. Ein Hund, der unstrukturiert am langen Riemen suchen darf, wird hektisch, verlässt die Spur oder orientiert sich um.
- Immer dieselbe Tierart und dasselbe Individuum. Mit Schweiß oder Schalen verschiedener Tiere zu trainieren, führt zu ungenauer Arbeit und schlechten Ergebnissen in der Praxis.
Übrigens: Mantrailing ist eine hervorragende Vorbereitung. Der Hund lernt dort, einen Individualgeruch zu verfolgen – nicht nur über Speichel, Hautschuppen und Haare, sondern mit all seinen Sinnen. Und das Beste: Mantrailing muss nicht in einer Staffel trainiert werden, es geht auch allein mit Familienmitgliedern oder Freunden.
Warum ich nicht mit Schweiß und Würstchenwasser arbeite
Wenn der Hund über die Instinktebene in die Spur geht, entscheidet nicht mehr der Kopf, sondern der Trieb. Dann arbeitet er schnell, hektisch, unkonzentriert. Er sucht – aber ohne Plan.
Genau deshalb arbeite ich nicht mit Futtergeruch, Würstchenwasser oder Schweiß, um die Nase des Hundes runterzubringen. Das spricht den Instinkt an, nicht die Aufgabe. Und wer den Instinkt anspricht, bekommt Tempo statt Fokus.
Sobald du den Hund über Bedeutung auslöst, ändert sich alles: Er bleibt ruhig, aufmerksam – und die Suche wird kontrollierbar. Es geht also nicht darum, dass er sucht, sondern wie er sucht. Erst später kann der Hund auf Schweiß oder Wildgeruch kontrolliert und gemäßigt arbeiten, weil du ihm geholfen hast, mit Ruhe an die Aufgabe zu gehen.
Spurreinheit ist kein Wunschdenken
Spurreinheit heißt: Der Hund soll lernen, konsequent nur einer bestimmten Fährte zu folgen – zum Beispiel der Wundspur eines verletzten Stücks, obwohl rundherum gesunde Tiere unterwegs waren. Ziel ist, dass er genau diese eine Spur aufnimmt, sich nicht ablenken lässt, nicht spekuliert, sondern arbeitet. Klar. Zielorientiert. Verlässlich.
Und genau dieses Ziel wird heute noch viel zu oft schon in der Ausbildung torpediert. Was soll ein Hund bitte lernen, wenn er eine Fährte mit Rinderblut arbeitet, an deren Ende aber eine Rehdecke liegt? Oder wenn er mit Futterbrocken eingelernt wird und dann plötzlich ein Lauf am Ende liegt?
Ein Vergleich aus der Personensuche macht das Dilemma deutlich: Der Hund soll Oma Erna aus dem Altersheim suchen. Er bekommt ihren Individualgeruch, verfolgt die Spur – und am Ende sitzt dort Opa Erwin. Beide alt, beide Mensch, aber ganz sicher nicht dieselbe Person. Und der Hund wird dafür belohnt, dass er irgendwen gefunden hat. Das wäre in der Personensuche inakzeptabel. Im Nachsuchenbereich sollte es das auch sein.

Fünf Hebel für mehr Spurtreue
Ein Jagdhund, der auf der Spur bleibt, ist Gold wert – egal ob auf der Schweißfährte oder bei der Dummyschleppe. Doch viele Hunde verlassen die Spur, kreiseln oder arbeiten zu hektisch. Das hilft:
- Reduziere den verbalen Input. Ständiges „Such, such!“ bringt keinen Mehrwert – im Gegenteil. Weniger Ansprache bedeutet mehr Eigenständigkeit. Und wenn die Spur nicht auslöst, wird auch ein schallendes „Suuuuuch verwund“ nichts daran ändern.
- Arbeite mit Verweiserpunkten oder Wundbetten. Diese Haltepunkte helfen deinem Hund, sich zu sammeln, anstatt in Hektik zu verfallen.
- Lass ihn langsam arbeiten. Tempo ist der Feind der Spurtreue. Dein Hund soll sich bewusst mit der Spur auseinandersetzen, nicht voranpreschen.
- Arbeite mit kürzeren Schleppen oder Fährten. Lieber 50 Meter präzise als 300 Meter Chaos.
- Vermeide Überkorrigieren. Wenn dein Hund kurz ausschert, aber selbstständig zurückfindet – nicht eingreifen. So lernt er, sich selbst zu regulieren.
Und was ich ausdrücklich nicht tue: den Hund auf die Spur „tragen“ und von hinten mehr oder weniger aktiv in die gewünschte Richtung schieben. Dabei lernst du nichts über sein Suchverhalten. Und im Realfall weißt du nicht, wo die Fährte entlanggeht – dann kannst du auch keine Hilfestellung leisten.
Viele machen zu viele. Manche zu wenige. Und einige glauben, echte Nachsuchen würden reichen. Tun sie nicht. Wer nie Trainingsfährten legt, lernt den eigenen Hund nicht wirklich zu lesen – und der Hund lernt nicht, seine Nase gezielt einzusetzen.
Eine gute Fährte dient nicht der Beschäftigung, sondern der Vorbereitung auf den Ernstfall. Sie hat ein Ziel, einen Plan und eine Auswertung. Das gilt auch für alle, die regelmäßig im Einsatz stehen: Wer nur im Einsatz arbeitet, trainiert unter Bedingungen, in denen kein Fehler erlaubt ist. Und genau dort passieren sie dann.
Die Nase arbeitet wie ein Muskel. Was nicht regelmäßig trainiert wird, baut ab.
Schweißfährte legen – Schritt für Schritt
Bevor dein Hund an einer Fährte arbeiten kann, muss jemand sie anlegen – und genau daran entscheidet sich, ob das Training etwas bringt. Material, Länge, Stehzeit und die Punkte, die du einbaust, bestimmen, was dein Hund überhaupt lernen kann.
Womit du arbeitest – die wichtigste Entscheidung
Bevor es um Menge und Verfahren geht, muss eine andere Frage geklärt sein: Was soll der Hund am Ende der Fährte finden – und passt das zu dem, was er unterwegs gerochen hat?
Ich arbeite nicht mit Würstchenwasser, Futterbrocken oder Schweiß, um die Nase eines Anfängers nach unten zu bekommen. Das spricht den Instinkt an, nicht die Aufgabe. Und ein Hund, der über den Instinkt in die Spur geht, arbeitet schnell, hektisch und ohne Plan. Er sucht – aber er sucht nicht diese Fährte. Deshalb ist die erste Fährte, die du legst, in meinem Aufbau keine Schweißfährte, sondern eine, die über Bedeutung auslöst. Schweiß kommt dazu, wenn der Hund gelernt hat, mit Ruhe an die Sache zu gehen.
Wenn du dann mit Schweiß arbeitest, gilt eine Regel ohne Ausnahme: Schweiß und Schalen kommen von derselben Wildart – idealerweise vom selben Stück. Eine Fährte aus Rinderblut, an deren Ende eine Rehdecke liegt, bringt dem Hund genau das Gegenteil von dem bei, was du willst. Sie belohnt ihn dafür, dass er irgendetwas gefunden hat. Die Verbandsfährtenschuhprüfungsordnung schreibt diese Übereinstimmung übrigens ausdrücklich vor – sie ist kein Spleen, sondern Standard.
Spurreinheit heißt: der Hund arbeitet genau diese eine Fährte. Alles, was du beim Legen mischst – Wildarten, Individuen, Fremdgerüche –, musst du ihm später mühsam wieder abtrainieren.
Tupfen, Tropfen oder Fährtenschuh
Drei Verfahren sind gebräuchlich. Sie erzeugen unterschiedliche Fährten, und du solltest wissen, welche du gerade legst.
| Verfahren | Was der Hund riecht | Wofür es taugt |
|---|---|---|
| Tupfverfahren (Schwamm oder Tupfer) |
Schweiß, punktuell abgesetzt | Der Klassiker für die Verbandsschweißprüfung. Gut dosierbar, gut reproduzierbar. |
| Tropfverfahren (Tropfflasche, Spritze) |
Schweiß, in gleichmäßigen Tropfen | Ebenfalls VSwP-konform. Etwas schneller zu legen, etwas schwerer sparsam zu halten. |
| Fährtenschuh (mit Schalen des Stücks) |
Schalen-, Haut- und Bodenverletzungsgeruch – Schweiß nur am Anfang | Am nächsten an der echten Wundfährte. Anspruchsvoller, weil kaum Schweiß zum Nachhelfen da ist. |
Der wichtigste Unterschied ist nicht die Bequemlichkeit, sondern die Information, die der Hund bekommt. Auf einer getupften Fährte kann er sich am Schweiß entlanghangeln. Auf einer Fährtenschuhfährte muss er die Fährte selbst arbeiten – bei der Verbandsfährtenschuhprüfung wird Schweiß nur auf den ersten rund 50 Metern in abnehmender Intensität getropft, danach ist die Fährte nahezu schweißfrei. Wenn du wissen willst, ob dein Hund die Fährte arbeitet oder den Schweiß, ist der Fährtenschuh der ehrlichere Prüfstein.
Länge, Stehzeit, Häufigkeit
Hier machen die meisten den gleichen Fehler in zwei Richtungen: zu lang und zu frisch.
Zu lang, weil eine 400-Meter-Fährte beeindruckender wirkt als eine 60-Meter-Fährte. Nur lernt der Hund auf den letzten 340 Metern nichts, wenn er die ersten 60 schon hektisch gearbeitet hat. Tempo ist der Feind der Spurtreue. Fang so kurz an, dass du das Ende der Fährte noch mit Ruhe erreichst, und verlängere erst, wenn die Arbeit sauber bleibt.
Zu frisch, weil eine frische Fährte funktioniert und das ein gutes Gefühl gibt. Aber im Ernstfall wird niemand eine halbe Stunde nach dem Schuss ansetzen. Eine Wundfährte ist alt, sie ist überlaufen, sie ist verregnet. Wer nur mit frischen Spuren arbeitet, verhindert, dass sein Hund lernt, mit genau diesen Bedingungen umzugehen. Bau die Stehzeit deshalb früh und in kleinen Schritten mit auf – erst zwei Stunden, dann über Nacht, dann weiter.
Verlängere nie Stehzeit und Länge gleichzeitig. Wenn du beides auf einmal erhöhst und die Arbeit fällt auseinander, weißt du hinterher nicht, woran es lag.
Zur Häufigkeit gibt es keine schöne Zahl. Manche legen zu viele Fährten, manche gar keine und verlassen sich auf echte Nachsuchen. Letzteres ist der gefährlichere Fehler: Wer nur im Einsatz arbeitet, trainiert unter Bedingungen, in denen kein Fehler erlaubt ist – und genau dort passieren sie dann. Die Nase arbeitet wie ein Muskel. Was nicht regelmäßig gefordert wird, baut ab.
Anschuss, Haken, Wundbetten, Verweiserpunkte
Diese vier Elemente sind keine Deko. Jedes hat eine Funktion im Training – und jedes ist in der Prüfungsordnung geregelt, wenn es irgendwann auf die Verbandsschweißprüfung zugehen soll.
| Element | Vorgabe |
|---|---|
| Länge | mindestens 1.000 m |
| Schweißmenge | höchstens ¼ Liter auf der gesamten Fährte – einschließlich Anschuss, Wundbetten und Verweiserpunkten |
| Verfahren | Tupf- oder Tropfverfahren; auf einer Prüfung einheitlich |
| Haken | drei nahezu rechtwinklige |
| Wundbetten | zwei |
| Verweiserpunkte | vier |
| Stehzeit | mindestens 20 bzw. 40 Stunden |
| Schweißriemen | mindestens 6 m, in ganzer Länge abgedockt |
| Anschuss | praxisnah gekennzeichnet, mit Standplatzbruch |
Ein Viertelliter auf tausend Meter – das ist weniger, als die meisten beim ersten Legen glauben. Wer im Training großzügiger ist, gewöhnt seinem Hund eine Fährte an, die es in der Prüfung und im Revier nicht gibt.
Wundbetten und Verweiserpunkte sind im Training deine besten Verbündeten gegen Hektik. Was ein echtes Wundbett im Revier dir verrät, steht unter Pirschzeichen lesen. Sie geben dem Hund einen Grund, stehen zu bleiben und sich zu sammeln, statt vorwärtszudrängen. Nutze sie bewusst – nicht als Pflichtübung, sondern als eingebaute Pause.
Haken zeigen dir, ob dein Hund die Fährte arbeitet oder rät. Ein Hund, der den Haken überläuft, sich selbst korrigiert und zurückfindet, hat gerade etwas Wertvolles getan. Greif in solchen Momenten nicht ein.
Und den Anschuss kennzeichnest du auch im Training, obwohl du weißt, wo er ist. Nicht für den Hund – für dich. Am Anschuss entscheidet sich, ob dein Hund ruhig ansetzt oder ob die ganze Fährte schon im ersten Meter kippt.
Die fünf häufigsten Fehler beim Fährtenlegen
Erstens: zu viel Schweiß. Eine deutlich riechende Fährte ist keine leichtere Fährte, sondern eine andere Aufgabe. Der Hund lernt, dem stärksten Reiz zu folgen, statt zu arbeiten.
Zweitens: gemischtes Material. Schweiß vom einen Stück, Decke vom anderen, Schalen von der dritten Wildart. Für dich ist das Logistik. Für den Hund ist es die Botschaft, dass es nicht so genau darauf ankommt.
Drittens: die eigene Spur. Du läufst beim Legen mit, und deine Spur liegt parallel zur Fährte – oft frischer und deutlicher als alles andere. Leg die Fährte so, dass dein eigener Weg nicht zur bequemeren Alternative wird, und geh am Ende nicht denselben Weg zurück.
Viertens: kein Plan vom Gelände. Wechsel, Suhlen, Wildwechsel quer zur Fährte – wenn du sie beim Legen nicht bemerkst, kannst du hinterher nicht beurteilen, warum dein Hund an dieser Stelle abgedreht ist.
Fünftens: die Fährte für den Hund legen, statt für die Aufgabe. Wenn du unbewusst so legst, dass es leicht wird – kurze Haken, offener Bestand, gute Bodenverhältnisse –, bekommst du ein schönes Trainingsgefühl und keinen Fortschritt.
Das Fährtenprotokoll
Der Unterschied zwischen einer Trainingsfährte und einem Spaziergang mit Riemen ist die Auswertung. Notier dir vor dem Legen, was du prüfen willst, und danach, was passiert ist. Es braucht keine Tabelle mit zwanzig Spalten – sechs Angaben reichen: Datum und Uhrzeit des Legens, Länge, Verfahren und Schweißmenge, Witterung und Boden, Ansetzzeit, und eine Zeile zu dem, was dir aufgefallen ist.
Nach zehn Fährten liest du daran Dinge ab, die dir im Einzelfall entgehen: dass dein Hund bei Wind aus einer bestimmten Richtung regelmäßig am zweiten Haken hängt. Dass er nach vierzig Stunden ruhiger arbeitet als nach zwanzig. Dass die eine Fährte, die richtig gut lief, die kürzeste war.
Wie die Fährtenarbeit in den größeren Aufbau gehört – Spurarbeit, Schleppen, Verweisen und die Prüfungen –, steht in der Übersicht zur Schweißarbeit und Nachsuche und in den Grundlagen der Fährten- und Schleppenarbeit. Und was dein Hund am Ende der Fährte tun soll, entscheidet der Vergleich Totverbeller oder Totverweiser.
Würstchenwasser und Futterbrocken: was die Fährte wirklich braucht
Verweisen: Totverbeller, Totverweiser, Bringselverweis
Ein Hund kann ein Reh nicht apportieren. Welcher der beiden Wege zu deinem Hund passt, klärt der Vergleich Totverbeller oder Totverweiser. Für solche Fälle braucht er eine Möglichkeit, dir den Fund anzuzeigen – durch Verbellen am Stück, durch Zurückkommen und Verweisen, oder über den Bringselverweis.
Der Bringselverweis wird nicht selten als Königsdisziplin der jagdlichen Aufgaben beschrieben. Mit strukturiertem Aufbau gelingt er aber ziemlich spielerisch. Voraussetzung: Dein Hund apportiert sicher, hat Bringfreude und Bringtreue und lässt nicht zu schnell von der Aufgabe ab, wenn es schwierig wird. Hilfreich ist auch, wenn du das Rückverweisen oder das Verweisen über Blickkontakt vorher aufgebaut hast.
Als Bringsel nutzt du am besten ein Pocket-Dummy – es geht aber auch ein Stück Spülschwamm oder Ähnliches, das an die Halsung gehängt wird. Ziel ist, dass dein Hund, wenn er an einen nicht apportierbaren Gegenstand gelangt, das Bringsel in den Fang nimmt, zu dir zurückkommt und dich dann zum Fund führt.
Der Aufbau in Schritten: Zuerst lässt du das Bringsel apportieren. Dann legst du es zum zu verweisenden Gegenstand – kommt dein Hund nicht an diesen heran oder ist er zu schwer, wird er das Bringsel aufnehmen. Im nächsten Schritt hängt das Bringsel an der Halsung. Für den Anfang reicht auch ein nicht erreichbares Dummy als „Stück“.
Die Verbandsschweißprüfung – der Härtetest
Wenn von der Königsdisziplin der Nachsuche die Rede ist, geht es um die Verbandsschweißprüfung. Hier entscheidet sich, ob ein Hund wirklich die Ruhe, Nerven und Ausdauer hat, um ein krankes Stück auch unter schwierigen Bedingungen zu finden.
Gelegt wird eine 1.000 bis 1.200 Meter lange Schweißfährte – entweder mit 20 oder mit 40 Stunden Stehzeit. Beide Varianten finden am selben Prüfungstag statt, damit die Bedingungen vergleichbar sind; jeder Hund startet in der Variante, für die er gemeldet ist. Die Fährten werden mit Anschuss, Haken und Wundbetten angelegt, und das Ganze findet in großen, wildreichen Forsten statt – Ablenkung inklusive.
Teilnehmen dürfen üblicherweise nur Hunde ab 24 Monaten, die Schussfestigkeit und lautes Jagen bereits nachgewiesen haben; der Führer braucht einen gültigen Jagdschein. Pro Richtergruppe sind maximal vier Hunde zugelassen, insgesamt höchstens 20 Hunde pro Prüfung.
Am Ende geht es darum, ob ein Hund die Fährte konzentriert, ausdauernd und verlässlich arbeitet – und ob er am Stück ruhig und kontrolliert bleibt. Die VSwP ist kein schmückendes Beiwerk. Sie ist der Härtetest, der zeigt, ob Hund und Führer im Ernstfall ein Team sind, auf das man sich blind verlassen kann.
Wie sich das in den Gesamtkanon einordnet, steht bei der VGP und der Brauchbarkeitsprüfung. Was du am Anschuss vorfindest und was es für die Nachsuche bedeutet, steht unter Pirschzeichen lesen. Wie du eine Trainingsfährte richtig anlegst – Verfahren, Schweißmenge, Länge und Stehzeit –, steht Schritt für Schritt unter Schweißfährte legen. Die Grundlagen der Spur- und Schleppenarbeit findest du im Fährtenarbeit-Artikel, und wenn du das lieber unter Anleitung aufbaust: in meiner Jagdhundeschule.
Alle Artikel zur Schweißarbeit im Überblick
Dieser Text ist der Einstieg. Wenn du an einer bestimmten Stelle tiefer willst, findest du hier die Detailartikel:
| Artikel | Worum es geht |
|---|---|
| Schweißfährte legen | Womit du arbeitest, Länge, Stehzeit, Haken – die Trainingsfährte von Grund auf |
| Riemenarbeit am Schweißriemen | Riemenlänge, Führung, den Hund lesen und am Haken nicht eingreifen |
| Pirschzeichen lesen | Was Schweiß, Schnitthaar und Wundbett über den Treffersitz verraten |
| Totverbeller oder Totverweiser | Welche Verweisart zu deinem Hund passt – und wann Umtrainieren lohnt |
| Nachsuche in der Praxis | Vom Anschuss über die Wartezeit bis zur Frage, wann du ein Gespann rufst |
| Schweißprüfungen im Vergleich | VSwP, VFSP, VGP und Brauchbarkeit mit allen Zahlen nebeneinander |
Fragen & Antworten
Mein Hund arbeitet die Schweißfährte zu schnell. Was tun?
Nicht auf der Fährte bremsen – da ist es zu spät. Ein Hund, der überläuft, ist meist zu hoch erregt angesetzt. Arbeite an der Erregungslage vor dem Anschuss, nimm die Leinenführung zurück und baue Verweiserpunkte ein. Kürzere Fährten mit mehr Stehzeit bringen mehr als längere mit mehr Druck.
Wie oft soll ich Trainingsfährten legen?
Regelmäßig und mit Plan statt selten und lang. Eine Fährte pro Woche mit klarem Ziel und Auswertung bringt mehr als vier ohne Konzept. Wichtig ist die Variation bei Untergrund, Stehzeit und Witterung – nicht bei Wildart und Individuum.
Kann ich Schweißarbeit ohne Jagdschein trainieren?
Mit Schweiß und Wildmaterial nicht: Die Ausbildung von Jagdhunden ist Jagdscheininhabern im eigenen Revier oder mit Erlaubnis des Revierinhabers vorbehalten. Dummyschleppen am Riemen und Mantrailing sind dagegen problemlos möglich – und trainieren erstaunlich viel von dem, worauf es später ankommt.
Brauche ich für die Nachsuche einen Schweißhund?
Für schwierige Nachsuchen sind Spezialisten prädestiniert, das bestreitet niemand. Viele Standardaufgaben – unkomplizierte Nachsuchen, Haar- und Federwildapport – können aber die allermeisten Jagdhunderassen zuverlässig abbilden. Wir brauchen keine Fachidioten, sondern breit aufgestellte Spezialisten.
Dieses Fach ist ein Baustein von vielen. In welcher Reihenfolge sie aufeinander aufbauen, steht in meinem Leitfaden zur Jagdhundeausbildung.
Wie lang sollte die erste Schweißfährte für einen Anfänger sein?
Kurz genug, dass dein Hund sie von Anfang bis Ende ruhig arbeitet. In der Praxis sind das oft 40 bis 60 Meter, nicht mehrere hundert. Die Länge ist kein Qualitätsmerkmal – die Sauberkeit der Arbeit ist es. Verlängere erst, wenn das Tempo über die ganze Strecke stimmt.
Wie viel Schweiß brauche ich für eine Trainingsfährte?
Deutlich weniger, als die meisten annehmen. Bei der Verbandsschweißprüfung ist für die gesamte Fährte von mindestens 1.000 Metern höchstens ein Viertelliter erlaubt, Anschuss, Wundbetten und Verweiserpunkte eingerechnet. Rechne das auf deine Trainingslänge herunter und bleib eher darunter.
Kann ich eine Schweißfährte ohne Jagdschein legen und trainieren?
Das Legen und Arbeiten einer Trainingsfährte ist keine Jagdausübung. Was du brauchst, ist die Erlaubnis des Reviereigentümers oder Jagdpächters für die Fläche und einen legalen Zugang zu Schweiß und Schalen – über einen Jäger, eine Wildkammer oder einen Metzger. Die Verbandsschweißprüfung selbst setzt einen gültigen Jagdschein des Führers voraus.
Fährtenschuh oder Tupfverfahren – womit soll ich anfangen?
Fang mit dem Verfahren an, das zu deinem Ziel passt. Willst du auf die Verbandsschweißprüfung hin arbeiten, ist das Tupf- oder Tropfverfahren der direkte Weg, weil dort so geprüft wird. Willst du wissen, ob dein Hund die Fährte wirklich arbeitet, nimm den Fährtenschuh: Dort gibt es fast keinen Schweiß, an dem er sich entlanghangeln kann.
Wie alt darf eine Trainingsfährte sein?
Älter, als die meisten trainieren. Zwanzig und vierzig Stunden sind die Stehzeiten der Verbandsschweißprüfung, und im Revier sind Wundfährten selten jünger. Bau die Stehzeit früh in kleinen Schritten mit auf, statt sie am Ende der Ausbildung nachzuholen.
Josi Schwarz. Hundetrainerin mit Erlaubnis nach § 11 Tierschutzgesetz, ausgebildet und geprüft bei Anton Fichtlmeier. Seit zehn Jahren Leistungsrichterin im Verein Brauchbarer Jagdhund (VBJ), für Brauchbarkeits- und Stöberprüfungen.
Jetzt tiefer einsteigen
Fährtenarbeit lernt man nicht aus Texten, sondern an der Spur. Im Webinar „Auf der Spur“ gehe ich den ganzen Aufbau mit dir durch – vom Auslösefaktor bis zur Winkelarbeit.






