Schweißprüfungen im Vergleich: VSwP, VFSP, VGP und Brauchbarkeit

Jagdhund arbeitet mit tiefer Nase am langen Schweißriemen über den Waldboden im Morgenlicht

„Ich will mit meinem Hund auf Schweiß gehen“ ist ein Satz, der vier verschiedene Dinge bedeuten kann. Es gibt nicht die Schweißprüfung, sondern mehrere – und sie stellen ganz unterschiedliche Fragen. Die eine will wissen, ob dein Hund eine kalte Fährte über einen Kilometer hält. Die andere, ob er das ohne nennenswerten Schweiß kann. Die dritte prüft Schweißarbeit als einen Baustein unter zwanzig. Und die vierte ist gar keine Verbandsprüfung, sondern Landesrecht. Wer das durcheinanderbringt, trainiert am Ziel vorbei.

„Such dir zuerst die Frage aus, die du beantwortet haben willst. Die Prüfung ergibt sich daraus.“

Das Wichtigste in Kürze

  • VSwP und VFSP sind reine Schweißprüfungen: mindestens 1.000 Meter, Stehzeit 20 oder 40 Stunden.
  • Der Unterschied liegt im Schweiß: VSwP höchstens ein Viertelliter, VFSP höchstens 0,1 Liter plus Fährtenschuh.
  • Die VGP prüft Schweißarbeit als Teil der Waldarbeit – rund 400 Meter, Übernachtfährte mindestens 14 Stunden.
  • Die Brauchbarkeit ist keine JGHV-Prüfung, sondern Landesrecht und unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland.
  • Für die Nachsuchenpraxis ist die VFSP die ehrlichste Prüfung – dort gibt es fast nichts, woran der Hund sich entlanghangeln kann.
Inhalt dieses Artikels
  1. Vier Prüfungen, vier verschiedene Fragen
  2. Der direkte Vergleich
  3. Die Verbandsschweißprüfung (VSwP)
  4. Die Verbandsfährtenschuhprüfung (VFSP)
  5. Die Waldarbeit der VGP
  6. Brauchbarkeit: das Landesrecht
  7. Welche Prüfung passt zu deinem Ziel

Vier Prüfungen, vier verschiedene Fragen

Bevor die Zahlen kommen, die Logik dahinter. Jede dieser Prüfungen ist um eine Frage herum gebaut, und wenn du diese Frage kennst, verstehst du auch, warum die Anforderungen so aussehen, wie sie aussehen.

Die Verbandsschweißprüfung fragt: Hält dein Hund eine alte, künstliche Fährte über eine lange Strecke, mit wenig Schweiß, ohne dass du ihm hilfst? Die Verbandsfährtenschuhprüfung fragt dasselbe, nimmt ihm aber fast den ganzen Schweiß weg und ersetzt ihn durch die Individualwitterung im Fährtenschuh – sie will wissen, ob er die Fährte arbeitet und nicht die Blutspur. Die Verbandsgebrauchsprüfung fragt: Ist dein Hund ein vollständiger Gebrauchshund, und ist die Waldarbeit dabei so solide wie alles andere? Und die Brauchbarkeitsprüfung fragt: Darf dieser Hund im Revier jagdlich geführt werden – nach den Regeln dieses Bundeslands?

Merke

Verbandsprüfungen sind Zuchtprüfungen und Leistungsnachweise. Die Brauchbarkeit ist eine Zulassung. Das eine ersetzt das andere nicht – auch wenn viele Bundesländer bestandene Verbandsprüfungen anerkennen.

Der direkte Vergleich

Die folgenden Werte stammen aus den geltenden Prüfungsordnungen des Jagdgebrauchshundverbands. Die Brauchbarkeitszeile ist bewusst offen gehalten – dazu unten mehr.

Schweißprüfungen im Vergleich (Angaben nach den Ordnungen des JGHV)
 VSwPVFSPVGP (Waldarbeit)Brauchbarkeit
Fährtenlängemind. 1.000 mmind. 1.000 mje ca. 400 m
(Übernacht- und Tagfährte)
Landesrecht
Stehzeit20 oder 40 Std.20 oder 40 Std.Übernacht mind. 14 Std.
Tagfährte ca. 2–5 Std.
Landesrecht
Schweißmengehöchstens ¼ Literhöchstens 0,1 Literhöchstens ¼ Liter je 400 mLandesrecht
FährtenanlageTupf- oder TropfverfahrenFährtenschuhTropf- oder TupfverfahrenLandesrecht
Haken3 nahezu rechtwinklige3 nahezu rechtwinklige2 stumpfwinkligeLandesrecht
Wundbetten221 (2. für Verweiser)Landesrecht
Verweiserpunkte66
Was sonst geprüft wirdnur Schweißarbeitnur SchweißarbeitWald, Wasser, Feld, Gehorsamje nach Land auch Feld und Wasser

Die interessanteste Zeile ist die Schweißmenge. Ein Viertelliter auf tausend Meter sind rund 0,25 Milliliter pro Meter – das ist wenig. Ein Zehntelliter auf dieselbe Strecke ist deutlich weniger als das. Wer glaubt, sein Hund arbeite die Fährte, während er in Wahrheit von Tropfen zu Tropfen geht, merkt es spätestens auf der VFSP.

Die Verbandsschweißprüfung (VSwP)

Die VSwP ist die klassische Schweißprüfung des JGHV und für viele der Einstieg in die Nachsuchenpraxis. Gelegt wird im Tupf- oder Tropfverfahren, auf mindestens 1.000 Metern, mit höchstens einem Viertelliter Schweiß über die gesamte Länge – Anschuss, Wundbetten und Verweiserpunkte eingerechnet. In die Fährte kommen drei nahezu rechtwinklige Haken, zwei Wundbetten und sechs Verweiserpunkte. Die Stehzeit beträgt wahlweise 20 oder 40 Stunden.

Bewertet wird nicht nur, ob der Hund ankommt. Beurteilt wird die Zusammenarbeit von Führer und Hund: Fährtenwille, Ruhe, Sicherheit und Selbstständigkeit. Das ist der Grund, warum ein schneller Hund, der von seinem Führer über den Haken gezogen wird, schlechter dasteht als ein langsamer, der ihn selbst löst. Wie du dieses Eingreifen abgewöhnst, steht in Riemenarbeit: den Hund am Schweißriemen führen.

Die 40-Stunden-Variante ist der ehrlichere Test. Nach vierzig Stunden ist von der Bodenverwundung mehr übrig als vom Schweiß – und genau das entspricht der Realität auf einer Übernachtsuche.

Die Verbandsfährtenschuhprüfung (VFSP)

Die VFSP ist die Prüfung, die am nächsten an der echten Wundfährte liegt. Die Fährte wird mit dem Fährtenschuh getreten – also mit Schalen desselben Stücks, dessen Schweiß verwendet wird. Länge und Stehzeit entsprechen der VSwP: mindestens 1.000 Meter, 20 oder 40 Stunden. Der Unterschied steckt im Schweiß: höchstens 0,1 Liter auf der gesamten Strecke.

Damit fällt die Krücke weg. Auf einer getupften Fährte kann ein Hund sich an sichtbaren und riechbaren Schweißpunkten entlanghangeln. Auf der Fährtenschuhfährte ist der Schweiß so dünn gesät, dass er praktisch nur die Individualwitterung und die Bodenverwundung hat. Was du hier siehst, ist die tatsächliche Fährtenarbeit deines Hundes.

Die Ordnung schreibt ausdrücklich vor, dass Schalen und verwendeter Schweiß von einer Wildart stammen müssen. Das ist keine Formalie – ein Hund, der auf einer Rehfährte Rinderblut riecht, lernt genau das Falsche. Warum diese Spurreinheit schon im Training gilt, habe ich in Schweißfährte legen ausgeführt.

Praxistipp

Wenn du wissen willst, ob dein Hund die Fährte arbeitet oder nur den Schweiß: Leg im Training eine kurze Fährtenschuhfährte, ohne jeden Schweiß. Was dann passiert, ist die ungeschminkte Antwort.

Die Waldarbeit der VGP

In der Verbandsgebrauchsprüfung ist Schweißarbeit kein eigener Prüfungszweck, sondern eines von über zwanzig Fächern. Trotzdem hat sie dort erstaunliches Gewicht: Die Riemenarbeit auf der Übernachtfährte trägt den Fachwert 8 – den höchsten der ganzen Prüfung. Die Tagfährte kommt auf 5, Totverbellen auf 4, Totverweisen auf 3.

Die Fährten sind kürzer als bei den reinen Schweißprüfungen: jeweils rund 400 Meter Riemenarbeit, dazu etwa 200 Meter für die freie Arbeit beim Totverbeller oder Totverweiser. Die Übernachtfährte steht mindestens 14 Stunden über Nacht, die Tagfährte etwa zwei bis fünf Stunden. In die Fährte kommen zwei stumpfwinklige Haken und ein Wundbett; für die Verweiserarbeit ein zweites. Wichtig für die Vorbereitung: Jeder Hund muss die rund 400 Meter am Riemen arbeiten, bevor überhaupt freie Arbeit bewertet wird.

Die kürzere Strecke macht die VGP-Waldarbeit nicht leichter. Sie steht am zweiten Prüfungstag, nach Feld- und Wasserarbeit, und der Hund ist müde. Wer nur auf die Fährte trainiert, unterschätzt das. Alle Fächer und Fachwerte im Detail stehen in der VGP-Vorbereitung. Ob dein Hund verbellt oder verweist, entscheidest du am besten früh – dazu Totverbeller oder Totverweiser.

Brauchbarkeit: das Landesrecht

Die Brauchbarkeitsprüfung fällt aus der Reihe, weil sie keine Verbandsprüfung ist. Sie wird von den Landesjagdverbänden nach der jeweiligen Landesverordnung durchgeführt, und deshalb gibt es sie nicht in einer Fassung, sondern in sechzehn. Fährtenlänge, Stehzeit, Schweißmenge und die Frage, welche Fächer überhaupt verlangt werden, unterscheiden sich zwischen den Bundesländern erheblich.

Was fast überall gilt: Die Brauchbarkeit ist deutlich kürzer und frischer angelegt als eine VSwP. Sie will keinen Nachsuchenspezialisten feststellen, sondern einen Hund, der im Revier tierschutzgerecht eingesetzt werden kann. Und sie ist in vielen Ländern die Voraussetzung dafür, dass du deinen Hund überhaupt jagdlich führen darfst.

Deshalb steht hier keine Zahlentabelle. Wer wissen will, was in seinem Bundesland verlangt wird, schaut in die Verordnung seines Landes oder fragt beim Landesjagdverband – alles andere ist Kaffeesatz. Den Rahmen und die typischen Fächer habe ich in Brauchbarkeitsprüfung für Jagdhunde beschrieben.

Welche Prüfung passt zu deinem Ziel

Am Ende ist es eine Frage, was du mit dem Hund vorhast – nicht, welches Kürzel sich am besten liest.

Ziel und passende Prüfung
Dein ZielPasst dazu
Hund im eigenen Revier jagdlich führenBrauchbarkeit deines Bundeslands – zuerst
Einstieg in die NachsuchenpraxisVSwP, möglichst mit 40 Stunden Stehzeit
Ehrliche Antwort auf „arbeitet er die Fährte?“VFSP
Vollgebrauchshund, Zucht, breite AnerkennungVGP
Nachsuchengespann werdenVSwP oder VFSP, danach Praxis unter Anleitung

Eine Reihenfolge, die sich in der Praxis bewährt: erst Brauchbarkeit, weil sie das Führen im Revier erlaubt. Dann VSwP, weil sie den Aufbau der Riemenarbeit sauber abfragt. Und dann, wenn du es wirklich wissen willst, die VFSP. Die VGP ist ein eigenes Projekt und braucht mehr als Schweißtraining – dafür lohnt der Blick in die Übersicht aller Jagdhundeprüfungen.

Und egal, welche Prüfung am Ende auf dem Zeugnis steht: Der Ernstfall im Revier hält sich an keine Ordnung. Was dort zählt, steht in Nachsuche in der Praxis.

Fragen & Antworten

Was ist der Unterschied zwischen VSwP und VFSP?

Beide verlangen mindestens 1.000 Meter Fährte bei 20 oder 40 Stunden Stehzeit. Der Unterschied liegt in der Anlage: Die VSwP-Fährte wird getupft oder getropft, mit höchstens einem Viertelliter Schweiß. Die VFSP-Fährte wird mit dem Fährtenschuh getreten und darf höchstens 0,1 Liter Schweiß enthalten. Der Hund hat dort also kaum Schweiß, an dem er sich orientieren kann – er muss die Fährte selbst arbeiten.

Wie lang ist die Fährte bei der Verbandsschweißprüfung?

Mindestens 1.000 Meter. Darin sind drei nahezu rechtwinklige Haken, zwei Wundbetten und sechs Verweiserpunkte angelegt. Für die gesamte Strecke darf höchstens ein Viertelliter Schweiß verwendet werden – Anschuss und Wundbetten eingerechnet.

Wie lange steht die Fährte bei der VGP?

Die Übernachtfährte steht mindestens 14 Stunden über Nacht, die Tagfährte etwa zwei bis fünf Stunden. Beide sind rund 400 Meter lang, dazu kommen etwa 200 Meter für die freie Arbeit beim Totverbeller oder Totverweiser. Jeder Hund muss die 400 Meter am Riemen arbeiten, bevor freie Arbeit überhaupt bewertet wird.

Ersetzt die Brauchbarkeitsprüfung eine Verbandsschweißprüfung?

Nein, die beiden haben verschiedene Zwecke. Die Brauchbarkeit ist eine landesrechtliche Zulassung zum jagdlichen Führen und ist kürzer und frischer angelegt. Die VSwP ist eine Leistungs- und Zuchtprüfung des JGHV mit deutlich höheren Anforderungen an Länge und Stehzeit. Manche Bundesländer erkennen bestandene Verbandsprüfungen für die Brauchbarkeit an – das regelt aber jedes Land selbst.

Welche Schweißprüfung sollte ich zuerst machen?

In der Regel die Brauchbarkeit deines Bundeslands, weil sie das jagdliche Führen im Revier erlaubt. Danach die VSwP, am besten mit 40 Stunden Stehzeit, weil sie den Aufbau der Riemenarbeit sauber abfragt. Die VFSP kommt danach – sie ist der ehrlichste Test, aber auch der unbarmherzigste.

Müssen Schweiß und Schalen von derselben Wildart stammen?

Bei der Verbandsfährtenschuhprüfung schreibt die Ordnung das ausdrücklich vor. Und auch im Training solltest du dich daran halten: Eine Fährte aus fremdem Blut, an deren Ende eine Rehdecke liegt, bringt dem Hund bei, dass irgendein Fund reicht. Genau das willst du auf der Wundfährte nicht.

Jetzt tiefer einsteigen

Welche Prüfung du auch anstrebst – der Aufbau davor ist derselbe. Im Webinar „Auf der Spur“ gehe ich ihn Schritt für Schritt mit dir durch, von der ersten kurzen Fährte bis zur Winkelarbeit auf langer Strecke: zur Webinar-Aufzeichnung „Auf der Spur“.

Produktkachel Webinar Auf der Spur – Fährten- und Schleppenarbeit für Jagdhunde
Josi Schwarz mit Jagdhundewelpe

Josi Schwarz zählt zu den führenden Jagdhundeexpertinnen im DACH-Raum – Jägerin, Hundetrainerin, Leistungsrichterin im VBJ, fast 20 Jahre Erfahrung und vier eigene Jagdhunde, zu Hause im Berchtesgadener Land. In ihren Trainingsurlauben in Oberbayern und Ungarn arbeitet sie mit Jägern und Nichtjägern – mit System statt Lautstärke. Mehr über Josi →

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